US-Nachwuchsstar

Romney macht Paul Ryan zu seinem “Running Mate”

Ausland
11.08.2012 16:39
Auf einem Kriegsschiff hat der US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney den Konservativen Paul Ryan offiziell als seinen Kandidaten fürs Vizeamt vorgestellt. Der 42-jährige "Running Mate" sei ein "Mensch großer Zuverlässigkeit, dessen Integrität unbestritten ist", sagte Romney am Samstag bei einer Kundgebung auf dem Schiff in Norfolk.

Ryan habe feste Prinzipien, die er in die Praxis umsetzen könne. Er verstehe die finanziellen Herausforderungen des Landes und sei ein "intellektueller Führer der Partei". Gleichzeitig behandle er seine politischen Gegner mit Respekt, sagte Romney.

Nächster Patzer von Romney
Bei der Präsentation unterlief Romney ein peinlicher Fehler. Er stellte Ryan als den "nächsten Präsidenten der USA" vor. Kurze Zeit später kam er zurück ans Mikrofon und korrigierte sich.

Ryan selbst griff in seiner ersten Rede als Anwärter auf die Vizepräsidentschaft den demokratischen Präsidenten Barack Obama und dessen Vize Joe Biden an. "Wir brauchen eine neue Führung, um den Wohlstand, Wirtschaftswachstum und die Arbeitsplätze wiederherzustellen", sagte er. Er sei stolz, gemeinsam mit einem Mann anzutreten, der so viel Erfahrung aus der Wirtschaft mitbringe.

Polit-Nachwuchsstar und Hardliner
Der 42-Jährige gilt als Nachwuchsstar der Partei und hatte Romney bereits in seinem bisherigen Wahlkampf tatkräftig unterstützt (weitere Bilder). Im Repräsentantenhaus kümmert er sich federführend um die Haushaltspolitik. Der breiteren Öffentlichkeit war der Kongressabgeordnete aus Wisconsin jüngst mit Vorschlägen für Kürzungen in staatlichen Gesundheitsprogrammen für arme und ältere Menschen bekannt geworden. 

Er sitzt seit 1999 für Wisconsin im US-Repräsentantenhaus. Der Vorsitzende des einflussreichen Haushaltsausschusses ist ein Hoffnungsträger der streng konservativen Parteibasis, die ihn auch anerkennend "Sparminister" nennt. Ryan, der verheiratet ist und drei Kinder hat, befürwortet strikte Haushaltsdisziplin sowie radikale Kürzungen und Reformen in Sozialprogrammen. Der Katholik habe "unermüdlich gearbeitet", das US-Defizit in den Griff zu bekommen, zudem seien seine Pläne für Steuer- und Sozialreformen hervorzuheben, hieß es in einer E-Mail aus der Romney-Mannschaft. Sie bezeichnete Romney und Ryan als "America's Comeback Team".

Vize Ryan birgt für Romney auch Risiken
Der Vize-Kandidat wird für Romney aber auch Risiken bergen. Der Budgetplan, den der Haushaltsexperte im März durch das Repräsentantenhaus brachte, sieht Kürzungen von mehr als fünf Billionen Dollar über das kommende Jahrzehnt vor - darunter bei Lebensmittelhilfen und der Krankenversicherung für Arme. Die Steuern sollen dagegen sinken, auch für Reiche. Das Ryan-Budget passt genau in Obamas Botschaft, mit Romney drohe der soziale Kahlschlag. Außerdem müsse Romney für einen Wahlsieg vor allem die Wechselwähler in Schlüsselstaaten wie Florida oder Ohio gewinnen, sagt der Politikprofessor Alan Abramowitz von der Emory University. "Und ich denke nicht, dass ihm Paul Ryan dabei in irgendeiner Weise behilflich sein wird."

Die Entscheidung über den republikanischen Vizekandidaten war von den Wählern in den USA mit Spannung erwartet worden. Eine Nominierung zum jetzigen Zeitpunkt ermöglicht es Romney, seinen Vizekandidaten mit auf eine wichtige Wahlkampftour in die sogenannten "Swing States" Virginia, North Carolina, Florida und Ohio mitzunehmen. Dort hatte Obama bei den Wahlen 2008 gewonnen, sie dürften bei den Wahlen am 6. November besonders umkämpft sein.

Viele Spekulationen um Romney-Vize
In den vergangenen Tagen hatte es in den USA immer wieder Spekulationen um die Personalie gegeben. Neben Paul Ryan wurden unter anderem gehandelt: der frühere Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, Senator Rob Portman aus Ohio und der Gouverneur von Virginia, Bob McDonnell. Auch die Namen von Senator Marco Rubio aus Florida und dem Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, wurden als mögliche Kandidaten ins Spiel gebracht.

Der Auswahl ging eine vier Monate lange Überprüfung der möglichen Bewerber voraus. Die Kandidaten mussten eine Liste mit 80 Fragen beantworten. Sie mussten Auskunft geben über mögliche Steuerdelikte oder Strafmandate. Selbst die Intimsphäre war nicht tabu. "Haben Sie Prostituierte aufgesucht oder haben Sie Ihren Ehepartner betrogen?", lauteten nach US-Medienberichten zwei Fragen.

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