"Wollen zerstören"

Syriens Rebellen fürchten ihre islamischen Söldner

Ausland
08.08.2012 10:38
Seit Monaten tobt in Syrien ein blutiger Bürgerkrieg. Die oppositionellen Rebellen wollen erst dann die Waffen niederlegen, wenn Präsident Bashar al-Assad gestürzt ist - auch mithilfe von islamistischen Kämpfern aus dem Ausland. Doch genau vor diesen Verbündeten fürchten sich immer mehr Rebellen.

"Um das klarzustellen: Ich bin ein Islamist, meine Kämpfer sind Islamisten. Aber es gibt mehrere Typen von Islamisten. Diese Männer kommen unter anderem aus dem Irak, wo sie jahrelang für Tod und Zerstörung gesorgt haben. Die sind mir zu extrem, die wollen alles zerstören und in die Luft jagen, auch Schulen", erzählte ein Kommandeur der Rebellen in der Stadt Aleppo, Abu Bakr, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Angst vor großer Al-Kaida-Zelle
Das Ziel der syrischen Opposition sei es, eine neue Zukunft zu gestalten, "und nicht, alles zu zerstören". Abu Bakr hat Angst davor, dass man nach dem Fall von Assad - sofern dies überhaupt passiert - an einer anderen Front kämpfen muss, und zwar gegen die eigenen Verbündeten. Der Kommandeur kann sich gut vorstellen, dass es genügend Legionäre gibt, die nach dem Bürgerkrieg eine große Al-Kaida-Zelle in Syrien gründen wollen. 

"Mein Ziel ist es, das Regime zu stürzen, für Stabilität zu sorgen und dann Schritt für Schritt ein islamistischer Staat zu werden", so Abu Bakr. Er glaube zwar an die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, doch man dürfe es den Leuten nicht aufzwingen. "Wir müssen den Minderheiten zeigen, dass wir sie gut behandeln. Ich halte nichts davon, den Menschen fürs Stehlen die Hände abzuhacken."

Geldgeber aus Saudi-Arabien und Kuwait
Auch der junge Rebell Anwar berichtete gegenüber Reuters, dass er sich vor dem Danach fürchte: "Wir wollen einen Staat, in dem die Bürger frei leben können, ob Muslime oder religiöse Minderheiten. Wir wollen das Recht haben, über unsere Zukunft entscheiden zu können." Das sehen die islamistischen Kämpfer aus der Golfregion anders. Sie werden vorwiegend von Extremisten aus Saudi-Arabien und Kuwait bezahlt, und ihnen geht es nur ums Zerstören der staatlichen Einrichtungen in Syrien. 

Westliche Staaten beobachteten bereits vor einiger Zeit, dass vermehrt sunnitische Islamisten in dem Land ihr Unwesen treiben. Für die Rebellen sind diese Söldner - bei aller oben beschriebenen Furcht - Gold wert. Sie haben jahrelange Kampferfahrung und sind mit guten Waffen ausgestattet. Außerdem kennen sie sich bestens mit Sprengstoff aus. "Jetzt können wir sogar Bomben per Handy zünden", wird ein syrischer Oppositioneller, der die Anwesenheit der Söldner weniger kritisch sieht, von Reuters zitiert. 

Spannungen innerhalb der Rebellengruppen
Mittlerweile gibt es auch Spannungen zwischen den verschiedenen Rebellengruppen, weil manche auf Hilfe der Söldner zurückgreifen, andere nicht. Die mit 2.000 Kämpfern größte Gruppe, die Tawheed-Brigade, akzeptiert nur jene Mitstreiter aus dem Ausland, die sich an die Regeln halten.

"Es gibt mehrere extreme Brigaden, die nicht mit uns zusammenarbeiten wollen", erzählte ein Tawheed-Kämpfer. Es gebe in seiner Gruppe mehrere Dschihadisten, die für die Freiheit der Syrer kämpfen würden. "Aber ehrlich gesagt, habe ich die Angst, dass sie, wenn der Krieg vorbei ist, ihr wahres Gesicht zeigen und dann uns bekämpfen."

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