Bestreitet Vorwurf
Ex-Stasi-Mitarbeiter wegen Mord (1974) vor Gericht
In Berlin hat am Donnerstag ein Mordprozess gegen einen Ex-Stasi-Mitarbeiter begonnen (siehe Video oben). Dem inzwischen 80-Jährigen wird vorgeworfen, 1974 einem Polen am DDR-Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße von hinten in den Rücken geschossen zu haben.
Der Deutsche soll Teil einer Operativgruppe des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gewesen sein und in dieser Funktion den Auftrag bekommen haben, den 38-jährigen Polen „unschädlich“ zu machen. Der Vorfall ereignete sich am 29. März 1974. Die Ermittlungen zu dem Fall stockten viele Jahre. Laut Staatsanwaltschaft Berlin gab es 2016 einen entscheidenden Hinweis zur Identität des Schützen aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv. Zunächst war die Behörde aber von einem Totschlag ausgegangen, in diesem Fall wäre die Tat verjährt gewesen. Inzwischen sieht die Staatsanwaltschaft das Merkmal der Heimtücke erfüllt, das für Mord entscheidend ist.
„Herausragende zeitgeschichtliche Bedeutung“
Der Angeklagte hat beim Prozessauftakt am Donnerstag geschwiegen. Seine Verteidigerin sagte, dass er den Tatvorwurf bestreite. Alle drei Kinder sowie die Schwester des getöteten Polen sind als Nebenkläger im Verfahren vertreten. Für den ersten Tag waren ein Kriminalhauptkommissar und eine frühere Augenzeugin geladen. Auch zwei Staatsanwälte aus Polen und ein Historiker, der an der Aufarbeitung des Falls beteiligt war, kamen zum Auftakt.
Urteil am 23. Mai möglich
Der Prozess wird laut einer Gerichtssprecherin wegen der „herausragenden zeitgeschichtlichen Bedeutung“ für Deutschland aufgezeichnet. Die Tonaufnahmen würden dem Landesarchiv zur Verfügung gestellt. Insgesamt hat das Landgericht zunächst sieben Prozesstage geplant. Ein Urteil könnte am 23. Mai gesprochen werden.







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