'Obama zu nachgiebig'

Romney verspricht mehr Härte in der US-Außenpolitik

Ausland
25.07.2012 10:03
Mitt Romney, der republikanische Herausforderer von US-Präsident Barack Obama, will den Führungsanspruch der Vereinigten Staaten in der Welt erneuern. Zugleich übte er in einer außenpolitischen Grundsatzrede am Dienstag massive Kritik an der Außenpolitik Obamas, die er für den Niedergang des globalen Einflusses der USA verantwortlich macht. "Dieses Jahrhundert muss ein amerikanisches Jahrhundert sein", meinte der 65-Jährige - ohne zu erklären, wie sich seine Staatsführung von der Obamas unterscheiden würde.

Romney, der sich bisher im Wahlkampf vor allem wirtschaftspolitisch zu profilieren versuchte, wollte sich mit der Rede vor Veteranen in Reno im Bundesstaat Nevada als Staatsmann präsentieren. Ob gegenüber dem Iran, Russland oder China - Romney mahnte mehr Härte an. Obama habe mit seiner "Nachgiebigkeit" zu einem Niedergang des Einflusses Amerikas in der Welt geführt.

Scharf kritisierte der Republikaner auch die Sparmaßnahmen bei den US-Streitkräften - diese würden die nationale Sicherheit gefährden: "Präsident Obama schwächt unser Militär mit verheerenden Einsparungen und verringert unsere moralische Autorität."

Dieselben außenpolitischen Ansichten
"Es ist ein Irrtum - und manchmal ein tragischer Irrtum - zu denken, dass Standhaftigkeit in der amerikanischen Außenpolitik nur zu Spannungen in der Welt führen kann", rief Romney unter tosendem Beifall. "Ich werde die amerikanische Führerschaft in der Welt nicht aufgeben." Allerdings kündigte er keine konkreten Schritte an, die der bisherigen Politik widersprechen würden.

Romney kritisierte zwar chinesische Handelshemmnisse für US-Waren sowie Pekings Wechselkurse, doch das ist auch die Linie Obamas. Im Streit um das iranische Atomprogramm forderte Romney einen vollständigen Stopp der Urananreicherung. Er werde "jedes notwendige Mittel einsetzen", um zu verhindern, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen kommt. Auch Obama betont immer wieder, dass er sich alle Optionen offen halte.

Obama hatte bereits zuvor, ebenfalls vor Veteranen, seine außenpolitische Bilanz verteidigt. Seine Versprechen vor dem Amtsantritt habe er gehalten, etwa den Krieg im Irak zu beenden, den Abzug aus Afghanistan in die Wege zu leiten und das Terrornetzwerk Al-Kaida in die Knie zu zwingen. Anfang Mai 2011 spürten US-Elitesoldaten den Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden in Pakistan auf und töteten ihn. "Ihr habt nicht nur meine Worte, ihr habt auch meine Taten", so Obama. "Weil wir rund um die Welt anführen, haben die Menschen eine neue Einstellung gegenüber Amerika. Es gibt mehr Vertrauen in unsere Führung."

Romney will mit Reise internationales Profil schärfen
Romney wiederum brach am Mittwoch zu seiner ersten Auslandsreise als Präsidentschaftskandidat auf, um sein internationales Profil zu schärfen. Dabei darf er ab Donnerstag mit einem freundlichen Empfang bei drei unerschütterlichen Verbündeten der USA rechnen, nämlich in Großbritannien, Israel und Polen.

Sechs Tage lang wird Romney die Hände von Staatenlenkern schütteln können. Jubelbilder wie bei Obamas Europa-Auftritten im Sommer 2008 seien verzichtbar, urteilte die "New York Times". Viel wichtiger sei, dass der Republikaner die Reise dazu nutze, einen überzeugenden außenpolitischen Standpunkt zurück in die Heimat zu kommunizieren, mit dem er sich von dem Präsidenten unterscheide.

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