Moody's bestätigte am Montag zwar die deutsche Bestnote "AAA" - die das Land auch bei den anderen beiden großen Ratingagenturen innehat -, wegen der wachsenden Unsicherheit durch die Euro-Schuldenkrise werde jedoch der Ausblick Deutschlands nun mit "negativ" und nicht mehr mit "stabil" bewertet, hieß es in einer Mitteilung nach US-Börsenschluss. Das US-Ratingunternehmen setzte damit den ersten Schritt für eine Abwertung und begründete dies mit den gestiegenen Belastungen für Deutschland - weil u.a. die Wahrscheinlichkeit eines Austritts von Griechenland aus dem Währungsgebiet gestiegen sei.
Moody's verwies auch auf die "Verwundbarkeit des Bankensystems". Die deutschen Kreditinstitute seien stark in den Problemstaaten der Euro-Zone engagiert und könnten Rückschläge angesichts ihrer mauen Gewinne nur schlecht abfedern. In der vergangenen Finanzkrise hatte der Staat die Hypo Real Estate auffangen müssen und war bei der Commerzbank eingestiegen.
Berlin widerspricht Ratingagentur
Das Finanzministerium in Berlin reagierte unmittelbar mit Kritik auf die Entscheidung: Die Einschätzung von Moody's stelle demnach die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund, während die längerfristigen Stabilisierungsaussichten unerwähnt blieben. Die genannten Risiken seien auch nicht neu. Deutschland werde durch solide Wirtschafts- und Finanzpolitik seinen Status eines sicheren Hafens wahren, "und seine Ankerrolle in der Euro-Zone weiterhin verantwortungsvoll ausüben", erklärte das Ministerium am Montagabend.
Neben Deutschland schätzt die Ratingagentur auch den Ausblick für die Bonität der Euro-Länder Niederlande und Luxemburg nur noch mit "negativ" ein. Finnland wird hingegen weiterhin mit Ausblick "stabil" bewertet. Dies begründete Moody's unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen.
Wachsende Sorge um Spanien und Italien
Moody's zufolge ist die Gefahr deutlich gestiegen, dass angeschlagene Euro-Länder wie Spanien und Italien - beide erst kürzlich von der Agentur herabgestuft - mehr Unterstützung benötigen. Dies würde die Top-Bonitätsländer besonders stark belasten. Erst im Februar hatte die Ratingagentur den Ausblick für Frankreich und Österreich auf "negativ" gestuft. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist.
Erheblicher Imageschaden für Deutschland
Eine Abstufung der Note für die Kreditwürdigkeit kann zu höheren Zinsen bei der Aufnahme neuer Schulden führen. Denn Investoren müssen von einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sie ihr Geld nicht wiedersehen. Im Falle Deutschlands und der anderen Länder dürfte ein Verlust des Spitzenratings indes in erster Linie einen erheblichen Imageschaden bedeuten.
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