17.07.2012 13:27 |

Keine Browser-Wahl

Microsoft bekommt erneut Ärger mit EU-Kommission

Microsoft bekommt erneut Ärger mit Brüssel: Die EU-Kommission hat wegen unlauterer Geschäftspraktiken ein neues Kartellverfahren gegen den Softwareriesen eröffnet. Microsoft biete seinen Windows-Nutzern nicht - wie versprochen - die freie Wahl des Web-Browsers an, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Dienstag in Brüssel. Konkurrenten hätten sich bei der Kommission darüber beschwert, dass der US-Konzern den Nutzern auf der Startseite seines Systems nicht länger die Auswahl zwischen verschiedenen Internetbrowsern lasse.

Der Konzern halte sich somit nicht an seine Zusagen aus dem Jahr 2009. Damals hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter Microsoft gezwungen, Verbrauchern in der EU auf einem Auswahlbildschirm neben dem hauseigenen Internet Explorer elf weitere Browser als Alternativen anzubieten, darunter Mozillas Firefox, Google Chrome, Apple Safari oder Opera. Auf diese Weise wollte Brüssel die Vormachtstellung des Konzerns brechen - sein Windows-Marktanteil liegt bei Computern und Laptops europaweit bei über 90 Prozent.

Die Verpflichtung galt für fünf Jahre, also bis 2014. Doch seit Februar vergangenen Jahres soll der Softwarekonzern gegen diese laut EU-Kommission verstoßen. Damals kam das erste Service Pack für Windows 7 auf den Markt. "Als Resultat konnten 28 Millionen Nutzer den Auswahlbildschirm nicht sehen", sagte Almunia. Der Kommissar sprach von einem einmaligen Fall: "Es ist das erste Mal, dass ein Unternehmen sich nicht an die Vorgaben der Kartellbehörden hält. Wir nehmen das sehr ernst."

Sollte sich der Vorwurf erhärten, droht Microsoft eine Strafe von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Aus der Wettbewerbsbehörde hieß es, Microsoft habe den Verstoß zugegeben und spreche von einem "technischen Fehler". Eine Frist für den Abschluss des Falls gibt es nicht. Almunia kündigte aber an, den Fall so rasch wie möglich voranzutreiben. Ein Stellungnahme von Microsoft lag am Dienstagnachmittag noch nicht vor.

Die EU-Kommission ist schon früher immer wieder gegen Microsoft vorgegangen und hat insgesamt Strafgelder von rund 1,7 Milliarden Euro verhängt. Der Kreuzzug der Wettbewerbshüter dauert seit mehr als einem Jahrzehnt an - es war mit Abstand der spektakulärste Fall in Brüssel.

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