Drama in den Alpen
Neun Tote bei Lawinenunglück im Mont-Blanc-Massiv
Die Platte könnte gebrochen sein und damit die Lawine ausgelöst haben, sagte der Präfekt des Departement Haute-Savoie, Philippe de Rumigny. Unklar ist noch, ob sie von einem Alpinisten losgetreten wurde oder sich anderweitig löste. Frankreichs Innenminister Manuel Valls sprach nach einem Überflug der Unglücksregion von starken Eis-und Schneemassen.
Unter den Opfern sind drei Deutsche, drei Briten, zwei Spanier und ein Schweizer. 15 Personen wurden nach Angaben der Präfektur ins Krankenhaus von Sallanches gebracht.
Nach Angaben der Rettungskräfte geschah das Unglück in mehr als 4.000 Metern Höhe am Col du Mont Maudit. Die Opfer hatten nach bisherigen Erkenntnissen auf 3.600 Metern in einer Hütte übernachtet und sich sehr früh auf den Weg gemacht.
Verletzter alarmierte Einsatzkräfte
Alarmiert wurden die Retter zeitig in der Früh von einem der Verletzten. Die Behörden leiteten einen Großeinsatz ein. Die Gendarmerie durchkämmte mit Lawinensuchhunden den Unglücksort, zwei Helikopter und zahlreiche freiwillige Helfer waren im Einsatz.
Über die exakte Ursache des Unglücks gab es zunächst nur Spekulationen. "Es gab keinen erklärbaren Grund für eine Lawine und ein Unglück dieses Ausmaßes", sagte der stellvertretende Bürgermeister Jean-Louis Verdier. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteo France gab es in dem Gebiet starke Winde.
Die Tragödie zum Auftakt der diesjährigen Tourismus-Saison gilt als eines der schlimmsten Lawinen-Unglücke seit Jahren am Mont-Blanc-Massiv. Jährlich versuchen sich 20.000 Alpinisten am Mont-Blanc-Aufstieg - in der Hochsaison seien dort täglich bis zu 500 Bergsteiger unterwegs.
Immer wieder tödliche Unfälle am "Verfluchten Berg"
Tödliche Bergdramen spielen sich im für Alpinisten faszinierenden Mont-Blanc-Massiv immer wieder ab. Der Mont Blanc wird auch "Verfluchter Berg" genannt und ist mit 4.810 Metern der höchste Berg der Alpen. Ein ähnlich folgenschweres Unglück wie das jüngste hatte sich zuletzt am 24. August 2008 ereignet: Acht Bergsteiger kamen beim Aufstieg über den Mont Blanc du Tacul bei einem Eissturz ums Leben, darunter ein Tiroler Bergführer.
Am "Verfluchten Berg" selbst erfasste am 20. Mai 2000 eine Lawine vier Ski-Wanderer aus Deutschland und Frankreich. Die beiden Franzosen kamen ums Leben, die Deutschen wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich in 4.200 Metern Höhe, als sich unterhalb des Gipfels des Mont Maudit ein Schneebrett löste.
Am 30. August 1998 verunglückte am Mont Maudit eine Bergsteigerin aus Polen tödlich. Sie war auf vereistem Schnee ausgerutscht und in eine Gletscherspalte gestürzt. Ein Jahr zuvor, am 4. August 1997, war ein Ire beim Abstieg vom Mont Maudit tödlich abgestürzt. Im April 1995 hatten zwei Bergunglücke innerhalb von zwei Tagen drei tote Alpinisten gefordert.
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