"Nicht ursächlich"

Flutkatastrophe: Russischer Minister räumt “Fehler” ein

Ausland
09.07.2012 13:41
Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Süden Russlands mit mehr als 170 Toten haben die Behörden nun erstmals Fehler eingeräumt. Die Menschen seien vor der nahenden Gefahr nicht in vollem Umfang und wie vorgeschrieben gewarnt worden, gab der russische Zivilschutzminister Wladimir Putschkow zu. Allerdings seien diese Fehler keineswegs Ursache der Katastrophe. Man habe nämlich nicht - wie hauptsächlich von Betroffenen vorgeworfen - Stausee-Schleusen geöffnet, so der Minister.

"Seitens der Leiter an Ort und Stelle sowie der Dienststellen sind Fehler gemacht worden", sagte Minister Putschkow nach der schlimmsten Hochwasserkatastrophe der jüngeren Geschichte Russlands. Präsident Wladimir Putin verlangte erneut eine lückenlose Aufklärung. Es müsse alles objektiv aufgearbeitet werden, damit sich ein solches Unglück nicht wiederhole.

Putschkow betonte allerdings, aus Stauseen sei kein Wasser abgelassen worden. Er habe sich an den Anlagen selbst davon überzeugt. Das Hochwasser sei ausschließlich Folge extremer Regenfälle gewesen. Die Wassermassen hätten die Flüsse in reißende Ströme verwandelt und alles vernichtet. Insgesamt seien von der Katastrophe mehr als 20.000 Menschen in der Region Krasnodar betroffen, so Putschkow.

Bewohner der besonders stark betroffenen 60.000-Einwohner-Stadt Krimsk hingegen äußern weiterhin Zweifel an der offiziellen Version. Sie gehen davon aus, dass an einem Stausee die Schleusen geöffnet worden seien. Ermittler sollen das vorerst auch bestätigt haben.

Weitaus mehr Todesopfer vermutet
Teile von Krimsk stehen indes nach wie vor unter Wasser. Dort hatte überraschend eine rund sieben Meter hohe Welle eingeschlagen. Die Opferzahlen gelten als sehr vage, da viele Menschen in der Region Feriengäste bei sich aufnehmen, ohne diese zu melden. In Internetblogs beschweren sich Bürger, dass die Behörden das wahre Ausmaß der Katastrophe verheimlichten.

Obwohl Tausende Einsatzkräfte ausgerückt sind, warten in dem Hochwassergebiet weiterhin etliche Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, auf Hilfe. Vielen fehlt es am Nötigsten wie Nahrungsmitteln und Kleidung. Die Flut hatte in der Region 1.200 Kilometer südlich von Moskau mehr als 5.000 Häuser überschwemmt - und die Behörden warnen bereits vor neuen starken Regenfällen.

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