Ex-Präsident im Koma

Ägypten: Ärzte kämpfen um Mubaraks Leben

Ausland
20.06.2012 07:25
Ärzte in Ägypten kämpfen um das Leben des früheren Machthabers Hosni Mubarak. Der schwer kranke 84-Jährige war in der Nacht auf Mittwoch von der amtlichen Nachrichtenagentur MENA bereits für klinisch tot erklärt worden, die Meldung wurden aber wenig später dementiert. Mubarak habe das Bewusstsein verloren und werde künstlich beatmet, sagte ein hochrangiger Militär. Das Staatsfernsehen kündigte eine Stellungnahme zum Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten an.

Mubarak sei in einem Militärkrankenhaus im Kairoer Stadtteil Maadi an lebenserhaltende Geräte angeschlossen worden. Seine Ehefrau und eine Schwiegertochter trafen noch in der Nacht im Krankenhaus ein. Aus der Gefängnisklinik hatte es zunächst geheißen, der Ex-Präsident habe einen Hirnschlag erlitten. Später hieß es dann, sein Herz sei nach der Verlegung in das Militärkrankenhaus stehen geblieben. MENA meldete, dass Mubarak für tot erklärt worden sei. "Ex-Präsident Hosni Mubarak ist klinisch tot, sein Herz hat aufgehört zu schlagen", wurden medizinische Quellen zitiert.

Kurz darauf erklärte allerdings ein General des Militärs, Mubarak habe zwar das Bewusstsein verloren und werde künstlich beatmet, sei aber nicht klinisch tot. Jegliches Gerede über einen klinischen Tod sei "Unsinn", so General Said Abbas vom regierenden Militärrat. Auch Ärzte in Kairo sagten: "Mubarak ist nicht klinisch tot. Die Ärzte versuchen, ihn wieder aufzuwecken."

Zu lebenslanger Haft verurteilt
Mubarak, der Ägypten 30 Jahre lang geführt hatte, war Anfang Juni wegen des Befehls zur Tötung von Demonstranten während des Volksaufstands Anfang 2011, der zu seinem Sturz führte, zu lebenslanger Haft verurteilt worden (im Bild beim Prozess). Seit der Einlieferung ins Gefängnis verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. 

Mubarak hat seit seiner Inhaftierung im Februar des Vorjahres wiederholt unter ernsthaften Herzproblemen gelitten. Bereits vor zehn Tagen erlitt der Ex-Präsident im Gefängnis offenbar zweimal einen Herzstillstand. Die Ärzte hätten beide Male Defibrillatoren einsetzen müssen, um ihn ins Leben zurückzuholen, hieß es damals. Unbestätigten Angaben zufolge litt Mubarak auch unter schweren Depressionen, Atemnot und Bluthochdruck. Seine Familie hatte eine Verlegung aus dem Gefängnis ins Krankenhaus gefordert, was von den Behörden aber abgelehnt wurde.

Kritik an "Sonderbehandlung"
Der Umgang mit dem Ex-Präsidenten war in den vergangenen Tagen in Ägypten heiß diskutiert worden. Vor allem etliche ehemalige politische Gefangene hatten sich verbittert über eine "Sonderbehandlung" geäußert, die Mubarak ihrer Ansicht nach genossen habe.

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