Sehr zuversichtlich

SYRIZA-Chef sieht sich als künftiger Griechen-Premier

Ausland
19.06.2012 20:13
Trotz eines nur zweiten Platzes bei der griechischen Parlamentswahl sieht sich der Chef des radikalen Linksbündnisses SYRIZA, Alexis Tsipras, mittelfristig als Gewinner und künftiger Regierungschef. Seine Partei habe die Spardebatte gewonnen, sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in seinem ersten Interview seit der Wahl am Sonntag. Die neue Regierung, an der er nicht beteiligt sein wolle, werde scheitern.

"Nur wir können die tiefgreifenden Reformen umsetzen, die das Land benötigt, weil wir nicht korrupt oder verschlissen sind. Früher oder später werden wir die Chance erhalten", ergänzte Tsipras. Der erbitterte Gegner des drastischen Sparprogramms lieferte sich im Vorfeld der zweiten Wahl binnen Monatsfrist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Konservativen Antonis Samaras, der die mit EU, EZB und Internationalem Währungsfonds verabredete Rosskur umsetzen will.

Polit-Star mit vielen Kritikern
"Was SYRIZA die ganze Zeit über gesagt hat, ist, dass der Rettungsplan nicht machbar ist und nicht weiterverfolgt werden kann", sagte Tsipras. Er will das Kunststück fertigbringen, das Rettungspaket zu kippen und das Land gleichzeitig in der Euro-Zone zu halten. Für die europäischen Partner der Griechen kommt das einer Quadratur des Kreises gleich. Solche Vorstellungen sind Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker, die dem 37-jährigen Polit-Star mangelnde Erfahrung vorhalten, was ihn für das Amt des Regierungschefs disqualifiziere.

Tsipras' Partei erhielt bei der Parlamentswahl 27 Prozent der Stimmen nach nur 17 Prozent bei der ersten Wahl im Mai. Der starke Zulauf von Wählern zeige, dass die Griechen ihre Wut gegen die Sparmaßnahmen in der Abstimmung zum Ausdruck gebracht hätten, sagte der Politiker. Griechenland befindet sich in einer tiefen Rezession mit einer Arbeitslosenquote von knapp 23 Prozent. Wenn es SYRIZA nicht geben würde, wäre die Alternative die Neo-Nazi-Partei Goldene Morgenröte, erklärte Tsipras. Wenn sich die Gelegenheit ergebe, werde seine Partei die Regierungsmacht übernehmen.

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