Griechen geschockt
Neonazi-Mandatar verprügelt in TV-Show Politikerin
Auf Videoaufzeichnungen ist zu sehen, wie Parteisprecher Ilias Kasidiaris zunächst ein Glas Wasser auf die Abgeordnete Rena Dourou vom Linksbündnis Syriza schleudert und dann auf Liana Kanelli losgeht, als diese empört aufsteht und ihn beschimpft. Er ohrfeigt sie zweimal, verpasst ihr mit voller Wucht einen Fausthieb und verlässt dann das Studio.
Auslöser war eine Anmerkung der Syriza-Vertreterin zu seiner mutmaßlichen Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall vor fünf Jahren - das Gerichtsverfahren gegen Kasidiaris sollte am Mittwoch beginnen, wurde aber auf kommenden Montag vertagt.
Festnahme angeordnet
Nach Angaben eines Gerichtsvertreters ordnete die Staatsanwaltschaft von Athen nach dem Vorfall die Festnahme des Neonazis an. Dieser konnte aus dem Fernsehstudio entkommen. Laut einer Journalistin versuchten Mitarbeiter des Senders noch vergeblich, ihn aufzuhalten. Kasidaris soll aber auch abseits der Kameras weitere Personen im Studio des Fernsehsenders Antenna angegriffen haben, berichteten griechische Medien.
Griechische Politiker entsetzt
Die Übergangsregierung verurteilte den Vorfall. "Diese Attacke ist ein Angriff gegen jeden demokratischen Bürger", sagte Übergangspremier Dimitris Tsiodras laut der englischsprachigen Online-Ausgabe der Zeitung "Kathimerini".
Das Linksbündnis Syriza teilte in einer Aussendung mit, die Attacke habe die Faschisten-Partei als das gezeigt, was sie wirklich sei - sie habe das "wahre Gesicht dieser kriminellen Organisation" hervorgebracht. Die attackierte Abgeordnete der Kommunisten rief die Wähler zur Bestrafung des Übergriffs an den Wahlurnen auf, berichtete "Athens News".
Großer Erfolg für Neonazis bei letzter Wahl
Chryssi Avgi hatte bei der Parlamentswahl am 6. Mai 6,9 Prozent der Stimmen erhalten. Es war das erste Mal seit dem Ende der Militärherrschaft im Jahr 1974, dass eine eindeutig neonazistische Partei den Einzug ins Parlament schaffte. Nach jüngsten Meinungsumfragen muss sie bei der Wiederholung der Wahl am 17. Juni mit Stimmenverlusten rechnen, könnte aber im Parlament bleiben.
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