Polizei überzeugt

Schulen erhielten Leichenteile vom “Canadian Psycho”

Ausland
06.06.2012 17:20
Rund zwei Wochen nach dem grausamen Mord an einem chinesischen Studenten durch den "Canadian Psycho" Luka Rocco Magnotta sind bei zwei Schulen in Vancouver Pakete mit menschlichen Überresten eingegangen. Die Ermittler sind mittlerweile von einem Zusammenhang zwischen den Funden und der Bluttat des Pornodarstellers überzeugt. Dieser soll auch das Fleisch seines Opfers gegessen haben.

Das erste Päckchen sei am Dienstag gegen 13 Uhr Ortszeit von Angestellten der False-Creek-Volksschule geöffnet worden und habe eine Hand enthalten, teilte die Polizei in Vancouver mit. Nur eine knappe Stunde später sei in St. George, einer Privatschule für Buben, ein Paket mit einem abgetrennten Fuß gefunden worden.

Die Leitung der Ermittlungen wurde am Mittwoch an die Polizei in Montreal übergeben. "Wir haben allen Anlass dazu zu glauben, dass die Fälle miteinander verbunden sind, weil die neu entdeckten Pakete ebenfalls aus Montreal verschickt wurden", sagte der Polizeichef von Montreal, Ian Lafreniere, gegenüber Medien. "Die DNA-Untersuchung wird dies bestätigen", ist der Beamte überzeugt.

Auch Profiler sieht Zusammenhang
Auch der Kriminalist und Profiler Jim Van Allen, Präsident der kanadischen Sicherheitsfirma Behavioural Science Solutions Group, sieht eine Verbindung zu Magnotta als sehr wahrscheinlich an. "Für das Werk eines Copycat-Killers ist es einfach zu einzigartig. Eine Hand und ein Fuß an zwei unterschiedliche Adressen in Ottawa, jetzt eine Hand und ein Fuß an Schulen in Vancouver", gab Allen gegenüber der "Vancouver Sun" zu bedenken. "Wären es drei Füße, dann würde ich wohl sagen, es handelt sich um einen Nachahmer."

Warum Magnotta die Leichenteile ausgerechnet an Schulen geschickt hat, darüber kann auch der Profiler derzeit nur spekulieren. "Magnotta dürfte mit den ersten Päckchen die politischen Parteien ins Visier genommen haben, weil er offenbar größtmögliche mediale Aufmerksamkeit erregen wollte", so Allens Einschätzung. "Die Schulen könnte er ausgewählt haben, weil es so schockierend und widerwärtig für die betroffenen Gemeinden ist."

Die Tatsache, dass die Pakete in beiden neuen Fällen - wie schon zuvor die blutigen Päckchen in Ottawa - durch die kanadische Post verschickt und in Vancouver eine Woche später ausgeliefert wurden, passe zeitlich mit den Zustellplänen der Post zusammen, so Van Allen.

Teile des Opfers verspeist?
Indes kommen nach der Festnahme Magnottas am Montag in einem Berliner Internetcafé immer mehr gruselige Details über das Verbrechen ans Licht. Demnach soll der 29-Jährige, der zeitweise als Callboy und Pornodarsteller gearbeitet hatte, das Opfer nicht nur vor laufender Kamera ermordet, sondern anschließend auch sein Fleisch gegessen haben, wie die "Montréal Gazette" am späten Dienstagabend berichtete.

Die Montrealer Polizei bestätigte den Vorgang zunächst nicht. Eine Sprecherin der Behörde sagte jedoch, dass der Verdacht des Kannibalismus von dem Video stammt, das Magnotta ins Internet gestellt haben soll. Die Aufnahmen seien inzwischen zwar gesperrt, aber einzelne Medien hätten offensichtlich Zugang zu ihnen bekommen.

Torso und weitere Teile in der Wohnung Magnottas gefunden
Magnotta soll den Chinesen, zu dem er eine Liebesbeziehung unterhielt, in der Nacht auf den 25. Mai mit einem Eispickel erschlagen und danach seine Leiche zerstückelt haben. Einen Fuß schickte er per Paketsendung an Kanadas Regierungspartei in Ottawa, in ein zweites Päckchen steckte er eine Hand seines Opfers. Den Torso und weitere Gliedmaßen fand die Polizei dem Bericht der "Montréal Gazette" zufolge in Magnottas Wohnung und in der Nähe des vermuteten Tatorts.

DNA-Tests bestätigten inzwischen, dass es sich bei den Funden um Leichenteile eines jungen Chinesen handelt. Der Kopf, eine Hand und ein Fuß des Opfers fehlten, berichteten kanadische Zeitungen. Sollte sich der Verdacht der Behörden bestätigen, dass die an die beiden Schulen geschickten Teile ebenfalls von Magnotta verschickt wurden, fehlt in dem grausigen Leichenpuzzle nur noch der Kopf.

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