Sebastian K. wird der Prozess gemacht. Einer Schuld bewusst ist er sich nicht. Es geht um die Auslegung schriftlicher Nachrichten, komplexe Satzstellungen, ihre Bedeutung und ihre Interpretation. Und um Russen. Kurz: der Stoff, aus dem (nicht nur) Kafka-Romane sind. Gespannt stürzt man sich in die Geschichte, verschlingt zu Beginn Kapitel um Kapitel - hat man eine solche Handlung doch bisher nie gesehen oder gar für möglich gehalten. Doch mit Fortschreiten des Prozesses ermüdet man, die Ebenen, auf denen die Geschichte spielt, verschwimmen, verzweigen sich tiefer und tiefer, nur mit Mühe, größtem Aufwand und größter Aufmerksamkeit folgt man ihr weiter. Hält man durch, wird man im Roman im letzten Kapitel normalerweise belohnt. Mit einem „Deus Ex Machina“, dem „Gott aus der Maschine“, oft jener Figur, die alles losgetreten hat - und die wie durch Zauber aus dem Nichts am Ende alles auflöst. Thomas Schmid - ein Zauberer? Die WKStA scheint es zu glauben, beantragte sie doch für 23. Februar seine neuerliche Zeugenladung. Zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer auf Spannung am Ende einer bisher sehr komplexen wie unspektakulären Prozesshandlung.
René B. wachte eines Morgens auf und war verwandelt. Vom strahlenden Immobilientycoon, jung, erfolgreich, von Politik, Wirtschaft und Society umworben - zum finanzmaroden Jongleur, allein- und fallengelassen selbst von Menschen, die ihm und seinem Geschäftsmodell einst Millionen anvertrauten, um sie zu vermehren. Das Inventar versteigert, die Konten ziemlich leer, die Schulden höher als jene der Hypo Alpe Adria. Und nun klopft auch noch der Staat an und will Geld. Nicht von der Signa. Sondern von Benko persönlich. Es geht um nicht erfüllte Verpflichtungen im Rahmen der Signa-Pleite - und um Rückstände bei der Finanz. Und die ist hart. Das weiß jeder noch so kleine Unternehmer, der einmal eine Rate nicht bezahlt hat. Vor seiner Verwandlung konnte Benko es sich richten: Chats zwischen ihm und dem Ex-Generalsekretär im Finanzministerium drehen sich um langwierige Steuerprüfungen der Signa. Der Name des früheren Spitzenbeamten, der gerne chattete, sich im Lichte einflussreicher Anzugträger sonnte und dessen Nähe nicht nur einen von ihnen zu Fall brachte? Wer die Geschichte bis hierher verfolgt hat, kennt ihn: Thomas Schmid ...
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