Auf der Innkreisautobahn waren es sogar 250 Prozent mehr „verkehrte“ Lenker. Insgesamt wurden in Oberösterreich im Vorjahr 59 Geisterfahrer gemeldet - um 55 Prozent mehr als im Vorjahr, das allerdings ein positiver Ausreißer nach unten war. Ein Fall endete tödlich.
Dieser Irrsinn hätte viel schlimmer ausgehen können: Als ein 19-jähriger Kroate im vergangenen Februar auf der Innkreisautobahn wegen seiner fehlenden Vignette angehalten wurde, drehte der junge Lenker plötzlich um und raste als Geisterfahrer in die Gegenrichtung davon, am Beifahrersitz seine Freundin (15). Die Flucht endete in Sattledt, als das Pärchen eine Leitplanke rammte.
Der 19-Jährige war einer von insgesamt 59 Geisterfahrern in Oberösterreich, vor denen im Vorjahr im Ö3-Verkehrsservice gewarnt wurde. Das ist ein Plus von 55 Prozent und damit der stärkste Anstieg aller Bundesländer. Das liegt aber vor allem daran, dass das Jahr 2022 mit „nur“ 38 Meldungen ein positiver Ausreißer nach unten war, denn der langjährige Durchschnitt in unserem Bundesland liegt bei rund 56 Geisterfahrern pro Jahr. Bundesweit gab es im Vorjahr 444 „verkehrte“ Lenkerinnen und Lenker.
Viele Gründe für Geisterfahrten
Hauptgründe für die Geisterfahrten sind Alkohol- und Drogeneinfluss, aber auch Überforderung und Ablenkung. Laut Ö3-Verkehrspsychologin Bettina Schützhofer spielen auch die globalen Krisen eine Rolle, die zu mehr depressiven Verstimmungen führen würden: „Viele versuchen das mit Medikation oder auch mit anderen Mitteln zu beeinflussen, und das hat natürlich unter Umständen deutlich negative Auswirkungen auf die Fahreignung.“ Immer öfter ist auch das „blinde Vertrauen“ in Navigationsgeräte der Auslöser.
„Beliebte“ Strecken
Einzelne Strecken scheinen besonders „anfällig“ für Geisterfahrer zu sein: Auf der Innkreisautobahn gab es im Raum Ried mit elf Geisterfahrern 2023 sogar um 250 Prozent mehr als im Jahr davor. Spitzenreiter ist aber die A 1 zwischen Vorchdorf und Asten: Dort gab es 16-mal Alarm. Auf der Linzer Stadtautobahn waren es sieben (siehe Grafik).
Besonders tragisch endete ein Vorfall im vorigen November auf der A 1 bei Pucking: Der Fußballer Marko V. (26) dürfte dort, wie ausführlich berichtet, als Geisterfahrer in den Gegenverkehr gekracht sein. Er starb wenig später im Krankenhaus.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.