In seiner neuesten Kolumne befasst sich „Krone“-Autor Harald Petermichl mit den bahnbrechenden Ideen, die Sandro Pertile, dem italienische FIS-Renndirektor der Skispringer, für die Zukunft seines Sports vorschweben.
Helmut Schmidt hat mal gesagt „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, dies aber konkret an Willy Brandt gerichtet, ohne in Verallgemeinerungen zu verfallen. Daher betrifft sein Ratschlag auch nicht den bei der FIS für das Skispringen zuständigen Sandro Pertile, der jüngst mit geradezu bahnbrechenden Visionen für diese Sportart hat aufhorchen lassen. Und auch wenn man solche Pläne eher am 1. April erwarten würde, sind sie es wert, ein wenig genauer betrachtet zu werden, denn schließlich, so eine uralte mongolische Weisheit, sollte man Visionäre immer erst mal ausreden lassen, bevor man sich ein eigenes Urteil bildet.
Das Skispringen, so Pertile, müsse wegen der Folgen des Klimawandels ganz neu gedacht werden und unabhängig von Schnee oder Nichtschnee sein. Als künftige Wettbewerbsorte bringt der Fleimstaler das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro (mobile Schanze) und eine noch zu finanzierende und errichtende Skisprunghalle in Dubai ins Gespräch, verbunden mit einer längst überfälligen Verlängerung der Saison auf acht Monate. Auch China wäre für ihn selbstverständlich eine naheliegende Option. Vielleicht noch nicht in der kommenden Saison, aber in zehn Jahren sollten derlei Dinge möglich sein. Denn Skispringen könne „auch im Sommer stattfinden“ und zwar dort, „wo viele Menschen sind“. Das leuchtet ein, leben doch in China etwa 132.459.186-mal so viele Menschen wie im lauschigen Bischofshofen und ob nun der FIS-Tross die lästige Herumgurkerei zwischen Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen auf sich nimmt oder gleich von Rio über Peking nach Dubai düst und damit dem Begriff „Skifliegen“ eine ganz neue Bedeutung verleiht, ist dann auch egal.
Und sogar Traditionsbewusste werden dem Vorschlag einiges abgewinnen können, denn das Dreikönigsspringen könnte man dann passenderweise in die Heimat der drei morgenländischen Weisen verlegen, wofür sich die Skigebiete bei Teheran förmlich aufdrängen würden. Es ist also angerichtet für eine neue revolutionäre Ära des Skispringens und letztlich müsste man nur noch klären, ob die Bewerbe künftig bei den Olympischen Sommer- oder Winterspielen abgehalten werden. Das sollte aber mit dem ehemaligen Florettweltmeister Thomas Bach rasch ausgefochten sein. Und was Pertile bescheiden verschwiegen hat: Das ewige Ärgernis mit den Disqualifikationen wegen zu großer Sprunganzüge wird, wenn die Adler beim Neujahrsspringen 2035 in Badehosen über den Bakken von Rio gehen, ein- für allemal Geschichte sein. Es lebe der Sport!
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