Überraschende Wende
Brückenopfer von Genua bekommen Entschädigungen
Überraschende Wende im laufenden Prozess nach dem Einsturz der Morandi-Brücke im August 2018 mit 43 Todesopfern: Der Ex-Chef der Autobahngesellschaft „Autostrade per l‘Italia“, die die marode Brücke betrieben hatte, sowie neun weitere angeklagte Manager haben 193 Nebenkläger entschädigt. Das soll aber kein Schuldeingeständnis sein, wurde betont.
„Der Vergleich ist von den Beteiligten in keiner Weise als ein - auch nur implizites - Schuldeingeständnis gedacht, sondern lediglich als ein Akt der Hilfsbereitschaft gegenüber einer beträchtlichen Anzahl von Einzelpersonen, Familien, kleinen Unternehmen und Gewerkschaften, die wegen des Unglücks erhebliche Schäden erlitten haben“, heißt es in einem Schreiben der Verteidiger der zehn Manager.
Verdächtige sollen mit Brückeneinsturz gerechnet haben
Bei den Verdächtigen handelt es sich um Giovanni Castellucci, der Ex-Chef der Autobahngesellschaft „Autostrade per l‘Italia“ sowie weitere hochrangige Manager des Autobahnbetreibers, um Fachleute sowie höhergestellte Beamte des Verkehrsministeriums in Rom. Der Staatsanwaltschaft von Genua zufolge hatten die meisten von ihnen mit dem Einsturz der in den 1960er-Jahren gebauten Brücke gerechnet und trotzdem nichts unternommen, um diesen zu verhindern. Stattdessen soll bei der Instandhaltung möglichst viel Geld eingespart worden sein, um den Aktionären höhere Dividenden zu sichern. Es soll zudem auch schon lange vor dem Einsturz bekannt gewesen sein, dass es Schäden an dem Bauwerk gab.
Seit Juli 2022 läuft der Prozess mit insgesamt 59 Angeklagten wegen des Einsturzes der Brücke. Die Anklage für die Verdächtigten lautet auf fahrlässige Tötung, vorsätzliche Körperverletzung, Behinderung von Amtshandlungen, Urkundenfälschung und vorsätzliches Unterlassen von Sicherheitseinrichtungen am Arbeitsplatz.
Tragödie machte Hunderte obdachlos
Das Unglück hatte sich bei strömendem Regen ereignet, während Familien auf dem Weg zum Sommerurlaub in Ligurien waren. Hunderte, die in Häusern unter der langen Hochbrücke wohnten, wurden obdachlos. Die Reste des Bauwerks wurde abgerissen. Im August 2020 wurde eine neue, vom Stararchitekten Renzo Piano entworfene Brücke eingeweiht, die „Ponte San Giorgio“ heißt.







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