28.06.2019 12:47 |

„Schöne Lektion“

Reste von Todesbrücke in Genua gesprengt

Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, dass eine Autobahnbrücke in Genua eingestürzt war - nun sind auch die letzten Reste des desolaten Bauwerks bei einer spektakulären Sprengung beseitigt worden. Die zwei noch stehenden Pfeiler brachen nach einer Explosion am Freitagvormittag in sich zusammen. Tausende Kubikmeter Stahl und Beton stürzten innerhalb von nur sechs Sekunden zu Boden.

Noch zehn Monate später erinnerten die letzten Brückenpfeiler an die Katastrophe, die sich am 14. August in der italienischen Stadt ereignete und 43 Todesopfer forderte. Um 9.38 Uhr waren diese letzten Reste schließlich Geschichte. Nach drei Signalen aus einer Sirene erfolgte die Explosion.

Salvini: „Heute ist der Tag des Wiederaufbaus“
Das Spektakel wurde von Tausenden Menschen verfolgt. Nachdem die Trümmer zu Boden gestürzt waren, gab es Applaus für die Sprengmeister. Danach war der Bereich der ehemaligen Brücke von einer riesigen Staub- und Rauchwolke eingehüllt. Auch die beiden Vizepremiers Matteo Salvini und Luigi Di Maio ließen sich das Ereignis nicht entgehen. Salvini schrieb auf Twitter: „Heute ist der Tag des Wiederaufbaus mit einer schönen Lektion aus Genua, die ganz Italien ein unmissverständliches Zeichen gegeben hat.“

Damit der brenzlige Einsatz keine Menschen gefährdet, mussten zuvor 3000 Anrainer ihre Wohnungen verlassen. Ein Bereich im Radius von 300 Metern rund um die Brücke war betroffen. Die Gebäude wurden auch kontrolliert, um sicherzugehen, dass sich niemand im Gefahrenbereich befindet. Wegen des Verdachts, dass sich ein Pensionist unerlaubterweise in seiner Wohnung verschanzt hatte, hatte sich die Explosion um ein paar Minuten verzögert.

Experten sprachen von „vorhersehbarer Tragödie“
Als Ursache für die Drama gilt eine Reihe an baulichen Mängeln an der 1200 Meter langen Morandi-Brücke, von der 200 Meter eingestürzt waren. Fachleute meinten nach dem Unglück, es habe schon immer
„strukturelle Zweifel“ das Bauwerk betreffend gegeben - es sei also eine „vorhersehbare Tragödie“ gewesen. Ermittlungen, unter anderem gegen die Betreiberfirma Autostrade per l‘Italia, sind noch immer im Gange. Unter den 43 Todesopfern befanden sich auch vier Kinder.

Neue Brücke soll bis Frühjahr 2020 fertig sein
Mit dem Bau einer neuen Brücke nun begonnen, am Dienstag wurde das erste Betonfundament gegossen. Stararchitekt Renzo Piano plante das neue Bauwerk, das im Frühjahr 2020 für den Verkehr freigegeben werden soll. „Wir werden der Stadt Genua bald ihre Brücke zurückgeben“, versprach der italienische Premier Giuseppe Conte.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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