Forscher retten Leben

Kein Kind soll in Zukunft mehr an Krebs sterben

Gesund
06.12.2023 16:28

Bereits 80 Prozent der Kinder überleben ihre Krebskrankheit - Tendenz steigend! Diesen Erfolg können die Wissenschafter der St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien verbuchen. Krone.at hat sie in ihren Laboren besucht und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. 

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, schon gar nicht, wenn es um effiziente Krebstherapien geht. „Bösartige Erkrankungen bei jungen Patienten - insbesondere bei Babys - unterscheiden sich erheblich von jenen Erwachsener. Das liegt unter anderen an ihrer biologischen Struktur, ist aber auch entwicklungsbedingt. Manche solcher Krebsarten gibt es außerdem nur im Kindesalter und sie weisen eigene genetische Eigenschaften auf“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Kaan-Boztug, wissenschaftlicher Direktor der St. Anna Kinderkrebsforschung, Immunologe am St. Anna Kinderspital in Wien und Professor an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde mit Schwerpunkt Entzündungsforschung an der MedUni Wien.

Herausfordernde Therapiestrategien
Die Hauptgruppen sind Blutkrebsarten und die sogenannten soliden Tumoren. Liegen in diesen Geschwülsten Krebszellen vor, geht es darum, herauszufinden, ob sich bereits Tochtergeschwüre (Metastasen) gebildet haben, bzw. wie man dies am besten verhindert. Als besonders herausfordernd gelten etwa Neuroblastom (geht von Nervenzellen aus), Nephroblastom (Niere) und Knochentumoren. Erforscht wird das gesamte Spektrum dieser Leiden von der Entwicklung bis zur idealen, individualisierten Therapie.

Der Erfolg der vergangenen 35 Jahre seit Gründung der Einrichtung 1988 kann sich sehen lassen: Mittlerweile überleben bis zu 80 Prozent der Patienten die schlimme Diagnose, zu Beginn der Forschungsarbeit waren es 20 Prozent. Etwa 300 Kinder und Jugendliche bekommen pro Jahr die Horrordiagnose Krebs, zwei Drittel davon sind jünger als 14 Jahre. Mit 60 Prozent bei Kindern und 45 Prozent bei Jugendlichen sind Leukämien (Blutkrebs), Lymphome (bösartige Tumoren des lymphatischen Systems) und Tumore des Zentralnervensystems am häufigsten.

35 Jahre Kinderkrebsforschung

Die St. Anna Kinderkrebsforschung (St. Anna Children’s Cancer Research Institute, CCRI) ist eine internationale und interdisziplinäre Forschungseinrichtung in Wien, welche diagnostische, prognostische und therapeutische Strategien für die Behandlung von an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen weiterentwickelt bzw. verbessert.  Sie wurde 1988 gegründet und umfasst derzeit 15 Forschungsgruppen mit mehr als 150 Experten aus 36 verschiedenen Nationen. Sie arbeiten auf den Gebieten der Tumorgenomik, Immunologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Bioinformatik uvm. Die Erkenntnisse kommen dann über die klinische Anwendung durch die Ärzte direkt den jungen Patienten zugute.

Die Forschungseinrichtung erhält keine öffentlichen Förderungen und ist auf Spenden angewiesen: Spendenkonto Erste Bank AG IBAN: AT66 2011 1000 0318 3777 BIC: GIBAATWW

Moderne Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz und Bioinformatik sowie medizintechnische Innovationen erleichtern den Wissenschaftern die Erweiterung ihrer Erkenntnisse bis hin zu Vorherhersagen, welche Kinder anlagebedingt durch welche Krebsarten besonders gefährdet sind.

Medikamententestung an menschlichem Lungengewebe
Dr. Branka Radic-Sarikas etwa züchtet menschliche Lungenorganoide aus Spenderlungengewebe, um verbesserte Therapien für das Ewing-Sarkom, ein Knochenkrebs, der häufig tödliche Metastasen in der Lunge bildet, zu entwickeln. Krone.at durfte hinter die Kulissen blicken: „Man darf sich das nicht als ´Minilungen´ vorstellen, wir erhalten keine kompletten Organe, aber das Material enthält alle Gewebetypen des menschlichen Lungengewebes, und kann daher als eine Art lebendes Modell genutzt werden. Daran lassen sich Medikamentenwirkungen testen oder der Prozess der Metastasierung besser verstehen. Man kann das in jeder Phase und detailgetreu über hochauflösende Mikroskope beobachten und dokumentieren.“ Unter dem Mikroskop zeigen sich sogar sich bewegende schleimproduzierende Zellen der Bronchien und zuckende Flimmerhärchen, die für den Abtransport von Schadstoffen in der Lunge zuständig sind!

Ziel ist es, Kommunikationswege zwischen Lungen- und Tumorzellen zu identifizieren, damit ,an diesen Signal-Austausch unterbinden kann. Das wäre eine Möglichkeit für neue, zielgerichtete Therapien gegen Metastasenbildung, und das wiederum würde Heilungs- und Überlebenschancen verbessern. Derzeit stirbt immer noch fast jedes zweite Kind am Ewing-Sarkom.

Zitat Icon

Wir wollen unseren Traum verwirklichen, alle Kinder mit Krebskrankheiten zu heilen!

(Bild: CCRI)

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Kaan Botzug

Weitere Arbeiten: Eine Gruppe um Prof. Boztug untersucht gerade die Schnittstellen angeborener Immunerkrankungen in Zusammenhang mit kindlichen Tumoren. Andere Teams beschäftigen sind z.B. mit Therapieoptimierungsstudien, Pilz- und bakteriellen Infektionen bei immungeschwächten Patienten oder noch ungelösten Fragen zu Entstehung von Neuroblastomen.

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