Monarchie-Endspiel?

Kein Weihnachtsfriede bei den britischen Royals

Royals
05.12.2023 07:22

Das zweite Jahr in Folge verdirbt ein Buch den Royals die Stimmung vor Weihnachten: War es 2022 die Autobiografie „Reserve“ von Prinz Harry, die kurz nach den Feiertagen auf den Markt gekommen war, ist es nun „Endgame“ von Omid Scobie. War bereits über eine Annäherung zwischen König Charles III. und seinem Sohn Prinz spekuliert worden, dürfte jede Aussicht auf einen Weihnachtsfrieden jetzt hinfällig sein. 

Der Inhalt von „Endgame“ dürfte Charles und Co. kaum mehr ärgern. Problematisch ist vor allem eine Passage, die es nach Angaben des Autors gar nicht geben dürfte. Aber in der niederländischen Fassung standen die Namen von zwei britischen Royals, denen Harrys Ehefrau Herzogin Meghan vorgeworfen hatte, sich besorgt über die Hautfarbe ihrer damals ungeborenen Kinder geäußert zu haben.

Wie kamen Namen ins Buch?
Übereinstimmenden britischen Medienberichten zufolge handelt es sich um Charles sowie Prinzessin Kate, die Ehefrau von Harrys Bruder Prinz William.

Wie die Namen in der niederländischen Version auftauchten, die kurzfristig aus dem Verkauf genommen wurde, ist unklar. Autor Scobie beteuert, er habe die Namen nie aufgeschrieben. Die Übersetzerinnen gaben an, sie hätten in der ihnen vorgelegten Fassung gestanden. Die „Times“ berichtete jüngst, in der vorläufigen Version, die Scobies Agentur an den niederländischen Verlag geschickt hatte, hätten die Namen gestanden, in der späteren Endausgabe aber nicht mehr.

„Sie könnten es stoppen“
Was den Streit zwischen Harry und Meghan einerseits und dem Rest der Royal Family andererseits verschärft, ist die Stille. Das Schweigen des Paares, das seit Jahren in Kalifornien wohnt, sei ohrenbetäubend, zitierte der „Telegraph“ aus dem Umfeld der königlichen Familie. „Sie könnten es stoppen, wenn sie wollten“, sagte der Verfassungsrechtler Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway.

Britischen Medien gilt Scobie, der bereits an einem anderen Buch über Harry und Meghan mitgewirkt hatte, als Sprachrohr des Paares. Indem sich die beiden nicht von Scobie distanzierten, hätten sie ihre Position im Familienzwist deutlich gemacht, sagte Royals-Experte Prescott. „Falls sie eine Wiederannäherung wollen würden, wäre dies eine gute Gelegenheit gewesen.“

Nach Informationen der „Daily Mail“ ist Charles außer sich vor Wut. Sogar eine Klage sei möglich.

Endspiel für Monarchie?
Aber wie sehr belastet es die Monarchie, dass ausgerechnet der König im Zusammenhang mit Äußerungen genannt wird, die von einigen Beobachtern als rassistisch gewertet wurden? Wird „Endgame“ zum Endspiel für die Monarchie?

Royals-Experte Prescott glaubt nicht, dass Charles gefährdet ist. Der König habe viel für Multikulturalismus und Religionsfrieden getan, sein Einsatz für den Staatenbund Commonwealth, dessen meiste Mitglieder schwarze Bevölkerungsmehrheiten haben, sei anerkannt. Wer dem König positiv gegenüberstehe, werde seine Meinung nicht ändern. Eher müssten sich die Royals fragen lassen, warum sich die moderne britische Gesellschaft nicht im Hofstaat abbilde, sagte Prescott. Top-Ämter wie Privatsekretäre würden von weißen Männern besetzt.

Auch die BBC sieht „Endgame“ nicht als zentrale Herausforderung für die Monarchie. Der Titel lege nahe, dass die Institution in ernsthaften Schwierigkeiten stecke, schrieb der Sender in seiner Rezension. „Doch dies ist nicht das Buch, das sie versenken wird.“

Skandal à la Andrew gefährlicher
Viel gefährlicher für die Royals wäre ein neuer Skandal, wie es ihn um Charles‘ Bruder Prinz Andrew gab. Er ist kaum noch öffentlich zu sehen, seitdem ihm eine US-Amerikanerin vorwarf, sie vor gut 20 Jahren als Teenagerin sexuell missbraucht zu haben. Ein Zivilprozess in den USA wurde angeblich gegen eine Millionenzahlung vermieden. Ein ähnliches Kaliber würde aber viele Untertanen glauben lassen, dass es sich bei Andrew nicht um einen Einzelfall, sondern um ein institutionelles Problem handle, sagte Prescott.

Zweitens: die Demografie. Dass sich junge Leute in Umfragen gegen die Monarchie aussprechen, ist nicht neu. Mittlerweile scheinen aber immer mehr Menschen diese Haltung beizubehalten, wenn sie älter werden. Die politische Stabilität und wirtschaftliche Sicherheit, die viele mit der 70-jährigen Regentschaft von Charles‘ Mutter Queen Elizabeth II. verbunden hätten, sei vorbei, sagte Prescott. Die aktuellen Probleme mit hohen Steuern und Lebenskosten würden auch mit dem König verbunden - da er nun mal das Staatsoberhaupt ist.

William und Kate zu langweilig?
Mit William und Kate gibt es zudem nur zwei aktive, jüngere Royals. Doch sie werden von vielen als zu langweilig empfunden. Mit Harry und Meghan sind zwei mögliche Repräsentanten, die auch mal neue Wege einschlagen konnten, weggebrochen, wie Prescott sagte.

Viele Menschen seien zudem einfach „royals-satt“. Von Williams und Kates Hochzeit 2011 bis zur Krönung von Charles im Mai 2023 hätten die Briten mehr als ein Jahrzehnt voller königlicher Dröhnung erlebt, so Prescott. „Die Royal Family muss wieder langweilig werden, lediglich ihr Ding abspulen und sich von Streitigkeiten so gut wie möglich fernhalten.“

Bleibt aus Sicht des Palasts nur eine Sorge: die Unberechenbarkeit des Paares Meghan und Harry.

 krone.at
krone.at
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

(Bild: kmm)



Kostenlose Spiele