Scharia in Ägypten?

Muslimbrüder offiziell im Rennen um Präsidentenamt

Ausland
05.04.2012 23:35
Der Präsidentschaftskandidat der ägyptischen Muslimbrüder, Khairat al-Shater (Bild), hat seine Bewerbung am Donnerstag offiziell bei der Wahlkommission in Kairo eingereicht. Shater sorgt mit seiner Kandidatur für Wirbel, weil er angekündigt hat, die islamische Rechtsprechung, die Scharia, in Ägypten einführen zu wollen.

Am Donnerstag legte der 61-Jährige die für seine Kandidatur nötigen Dokumente vor. Auf seinem Weg zur Wahlkomission wurde der Geschäftsmann von rund tausend Anhängern begleitet. Sie riefen: "Das Volk will Shater als Präsident."

Sharia "erstes und endgültiges Ziel"
Die Einführung der Scharia sei sein "erstes und endgültiges" Ziel, sollte er die für Mai und Juni vorgesehen Wahlen gewinnen, hatte Shater zuvor bei einer Versammlung einer islamistischen Vereinigung erklärt. Demnach kündigte der Präsidentschaftskandidat an, "eine Gruppe von Intellektuellen" gründen zu wollen, um das Parlament bei der Umsetzung des islamischen Rechts zu unterstützen.

Der Millionär und Geschäftsmann gehört der "Religiösen Vereinigung für Rechte und Reformen" an, die eine strenge Auslegung des Islam vertritt. Seine von den Muslimbrüdern getragene Partei Freiheit und Gerechtigkeit ist die stärkste Kraft im Parlament. Ursprünglich wollten die Muslimbrüder auf einen eigenen Präsidentschaftskandidaten verzichten, am Samstag gaben sie überraschend die Kandidatur Shaters bekannt.

Shater versicherte, dass er mit dem derzeit regierenden Militärrat keinen Deal bezüglich seiner Kandidatur ausgehandelt habe. Beobachter hatten gemeint, das Antreten Shaters bei der Präsidentschaftswahl könnte Kandidaten zugutekommen, die mit dem gestürzten Mubarak-Regime verbunden waren. Durch seine Kandidatur würden die Stimmen für die Islamisten aufgesplittet.

Salafisten-Kandidat will Schleierzwang für alle Frauen
Neben Shater wollen noch mindestens drei islamistische Kandidaten antreten. Die chancenreichsten sind Hazem Salah Abu Ismail und Abdel Moneim Abul Fotuh. Der als einflussreich geltende Rechtsanwalt und Salafist Abu Ismail hat für den Fall seines Wahlsiegs angekündigt, alle Frauen in Ägypten zum Tragen des Schleiers zu zwingen. Er würde auch Touristen den Genuss von Alkohol in der Öffentlichkeit verbieten.

Der ehemalige Geheimdienstchef Omar Suleiman teilte hingegen am Donnerstag mit, dass er nicht kandidieren werde. Der erste Wahlgang ist für den 23. und 24. Mai angekündigt.

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