So, 21. Oktober 2018

Drei Hinrichtungen

29.03.2012 09:58

Japan vollstreckte erstmals seit 2010 wieder Todesurteile

In Japan sind am Donnerstag drei zum Tode verurteilte Mörder hingerichtet worden. Es waren die ersten Vollstreckungen seit 20 Monaten. Das Inselreich gehört zu den wenigen Industrieländern, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft ist. Justizminister Toshio Ogawa berief sich auf Umfragen, wonach die Mehrheit der Bürger die Todesstrafe für Mörder befürwortet.

Der Umgang der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt mit der Todesstrafe wie auch die berüchtigten Haftbedingungen werden seit Jahren von nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen scharf angeprangert.

Die Todeskandidaten erfahren erst am Morgen der Hinrichtung, dass sie an diesem Tag gehängt werden. Außer einer letzten Mahlzeit wird ihnen nur die Kontaktaufnahme zu einem Seelsorger gewährt. Die Verwandten werden erst nach Vollzug der Exekution informiert. Meistens erhalten sie die sterblichen Überreste nach einer Einäscherung - laut Menschenrechtsaktivisten deswegen, um die Spuren des Todeskampfes der Erhängung zu verwischen.

Todesstrafe nur auf mehrfachen Mord
Japan ist neben den USA das einzige große Industrieland, das die Strafe noch vollstreckt. Seit 1946 wurden mehr als 700 Menschen exekutiert. Die Todesstrafe steht in Japan nur auf mehrfachen Mord. Das Mindestalter der Todeskandidaten beträgt 18 Jahre zum Zeitpunkt des Verbrechens. Damit schöpft das Land den Rahmen, den die UN-Menschenrechtsvereinbarungen zulassen, vollständig aus. Die Volljährigkeit erreicht man in Japan allerdings erst mit 20.

Bevölkerung stand stets hinter Todesstrafe
Die Zustimmung der Bevölkerung Japans zur Todesstrafe hat im Laufe der Jahre zwar abgenommen, kam aber nie unter die 50-Prozent-Marke. In den letzten Jahren gab es aber immer wieder Politiker und auch Justizminister, die ihre Abneigung gegenüber der Todesstrafe öffentlich artikulierten.

Der ehemalige Justizminister und gläubige Buddhist Seiken Sugiura unterzeichnete während seiner Amtszeit 2005 bis 2006 etwa keine einzige Hinrichtungsanordnung. Sein Nachfolger trieb die Zahl der Vollstreckungen dafür auf ein neues Rekordniveau.

2010 erstmals Einblick in Hinrichtungskammer
Im Zuge einer neuen Debatte um die Abschaffung der Todesstrafe hatte die japanische Bevölkerung dann im August 2010 erstmals in der Geschichte des Landes einen Blick in eine Hinrichtungskammer werfen können (siehe Infobox). Die Behörden erlaubten Medien den Zutritt zu einer Haftanstalt in Tokio, um die Räumlichkeiten, in denen Insassen mittels Erhängung exekutiert werden, zu fotografieren.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.