Mildes Urteil gefällt

Ex niedergestochen – nur einen Monat Gefängnis für Frau

Wien
29.02.2012 13:39
Mit vier Messerstichen in Oberschenkel, Nacken, Oberarm und Rippen hatte eine 44-jährige Visagistin Ende November ihren Ex-Freund niedergestochen – am Straflandesgericht Wien ist die Frau dafür am Mittwoch mit einer recht milden Strafe davongekommen. Sie wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt, wovon Richter Christoph Bauer lediglich ein Monat unbedingt aussprach. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Frau, zu deren Kunden zahlreiche Prominente zählen, hatte den um 18 Jahre jüngeren Mann zu sich bestellt, nachdem sich dieser einige Wochen zuvor von ihr getrennt hatte. Weil sie drohte, sie werde seine in der Wohnung verbliebenen Kleidung wegschmeißen, ging der Mann auch tatsächlich zu ihr, um sein Gewand abzuholen.

Eigentlich habe er von Anfang an ein ungutes Gefühl gehabt, da ihn die 44-Jährige bei einem vorangegangenen Treffen in einem Restaurant heftig beschimpft und vor dem Personal bloßgestellt hatte, berichtete der Mann im Zeugenstand.

"Habe heftigen Schlag im Nacken verspürt"
In ihrer Wohnung bat die Visagistin ihren Ex-Freund schließlich, ihren Laptop in Augenschein zu nehmen, weil sie einen Ordner mit Honoraraufstellungen irrtümlich verschoben habe und nicht mehr finde. Als sich der 26-Jährige über das Gerät beugte, "habe ich einen heftigen Schlag im Nacken verspürt. Ich hab' geglaubt, sie hat mir mit einem Baseballschläger ins Genick geschlagen", gab er zu Protokoll.

Die Frau hatte ihm allerdings vielmehr einen Stromschlag mit einem Elektroschocker verpasst. Er habe "nur mehr die Wohnung verlassen wollen". Als er sich die Schuhe anziehen wollte, "hab' ich sie aus dem Augenwinkel heraus mit dem Messer kommen gesehen. Das war total überraschend für mich. Wie aus heiterem Himmel". Da die Verletzungen nicht sonderlich tief waren, ging die Anklagebehörde zugunsten der Frau davon aus, dass sie allenfalls versucht habe, ihren Ex-Freund schwer zu verletzen.

Angeklagte sah sich nicht schuldig
Die Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und erzählte, sie habe praktisch in Notwehr gehandelt: "Es war ein Streit. Er hat mich dann gewaltsam an den Schultern genommen. Das war der Grund, warum ich den Elektroschocker geholt habe. Ich hab' totale Angst gehabt." Es habe sich "alles hochgeschaukelt. Am Ende habe ich das Messer in der Hand gehabt. Es ist alles so schnell gegangen".

Bei der Auseinandersetzung habe sie ihr früherer Freund auch verletzt, behauptete die 44-Jährige. Darauf angesprochen, dass ihr Körper bei ihrer Festnahme nicht den geringsten Kratzer oder Bluterguss aufwies, erwiderte die 44-Jährige: "Ich war relativ braun damals. Ich war vorher im Urlaub in Kapstadt. Deshalb hat man nichts gesehen."

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