Abenteuerlich

Dieses Spiel ist kein Müll: Slapstick und Sci-Fi in “Deponia”

Spiele
03.02.2012 17:15
Rufus hat die Nase voll - und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, denn er wohnt auf dem Müllplaneten Deponia. Seine Fluchtversuche waren bisher nicht gerade von Erfolg gekrönt, doch davon lässt sich der miesepetrige Egoist nicht abhalten. Wer kann denn auch ahnen, auf der Suche nach einem besseren Leben mitten in eine Verschwörung zu geraten? Doch genau hier sieht Rufus im neuen Sci-Fi-Adventure von Daedalic ("Harveys Neue Augen", "The Whispered World") seine Chance gekommen...

Rufus ist nicht gerade ein liebenswerter Zeitgenosse: Er nützt seine Freunde aus, hält sich für die Perfektion in Person und will ohne Rücksicht auf Verluste runter von Deponia - auch wenn das bedeuten würde, den Planeten und alle Bewohner dem Untergang zu weihen. Doch bevor es so weit kommt, muss erst mal die Flucht klappen. Im Visier hat Rufus die schwebende Stadt Elysium, deren Bewohner ganz ohne Müll in Schönheit und Reichtum schwelgen.

So startet der Spieler nach einem etwas unglücklichen, weil mit einem viel zu langen Zwiegespräch versehenen, Tutorial auf Deponia, um Rufus' neueste, waghalsige Fluchtkonstruktion fertigzustellen. Typisch Point-and-Click-Adventure werden Gegenstände per Klick ins Inventar verfrachtet, das praktischerweise durch Drehen am Mausrad ein- und ausgeblendet werden kann (alternativ auch per Klick auf das entsprechende Symbol). Um die nötigen Elemente und wichtigen Stellen in der Spielwelt alle zu finden, lässt sich per Leer- oder mittlerer Maustaste die Hotspot-Anzeige zuschalten. Zwischendurch finden sich immer wieder gelungene Minispiele, die mitunter echte Kopfnüsse sind. Wer darauf keine Lust hat, kann sie aber einfach überspringen.

Immer wieder Slapstick
Hat Rufus seine sieben Sachen beieinander und die Fluchtkapsel mehr schlecht als recht präpariert, fliegt er auch schon gen Himmel. Doch natürlich geht auch sein aktueller Fluchtplan schief. Wie noch viele weitere Male wird das in wunderbaren Slapstick-Einlagen erzählt - ein herrlich schadenfreudiger Spaß. Rufus landet lediglich - wie könnte es anders sein - in der Müllentsorgungsanlage eines Luftschiffs. Dort entdeckt er die schöne Goal, die gerade dabei ist, eine düstere Verschwörung in Elysium aufzudecken. Doch bevor sie etwas unternehmen kann, wird sie von Rufus unabsichtlich in den Müllschlucker bugsiert. Prompt befindet sich Goal im freien Fall auf Deponia - und Rufus nach seiner Verhaftung gleich hinterher.

Hauptaufgabe in mehreren Schritten
Obwohl Goal danach im Koma liegt, sieht Rufus wie meist nicht, was er angerichtet hat, sondern nur seinen persönlichen Vorteil: Die hübsche Elysierin muss schließlich nach Hause, da könnte man sich doch gleich mit einschleichen. Um sie aus dem Koma zu wecken, muss als Erstes ein besonders starker Kaffee her, beschließt Rufus. Diese Aufgabe besteht aus verschiedenen Teilen, wie spezielles Wasser oder gemahlene Bohnen zu besorgen - dieses Prinzip zieht sich durch das ganze Spiel. Das hat den Vorteil, ein großes Ziel vor Augen zu haben, aber auch einige Nachteile.

Wenn das Inventar förmlich platzt...
So sammeln sich im Laufe der Liebes- und Abenteuergeschichte in Rufus' Inventar bald unzählige Gegenstände, von denen einige für den aktuellen Teil der Aufgabe noch gar nicht relevant sind. Die schiere Anzahl an Rucksackinhalten ist für den Spieler des Öfteren zu viel des Guten. Genau wie die zahlreichen Orte, die Rufus nach seinem Absturz zurück auf Deponia betreten kann - zudem finden sich dort zahlreiche Hotspots, die noch nicht verwendet werden können. Warum, ist dem Spieler jedoch oft rätselhaft, da Rufus - mangels klarer Ansagen wie "Hier brauche ich wohl noch ein ..." - keine große Hilfe ist. So läuft der Spieler teils recht planlos durch die zahlreichen Orte.

Gespräche liefern die Hinweise
Die wichtigste Regel in "Deponia", um dieser Verwirrung zu entgehen, lautet: Gut zuhören! Denn in fast jedem Gespräch mit einem der liebenswert verrückten Charaktere findet sich ein rätselrelevanter Hinweis. Zum Glück sind die Sprecher mit viel Spaß bei der Sache und die Dialoge gut gelungen. Besonders, da Rufus nicht mit sarkastischen Bemerkungen geizt und so sein Umfeld in den Wahnsinn treibt. Auch abseits der Dialoge warten zahlreiche witzige Einfälle auf den Spieler. So wird Rufus in einer wunderbaren Slapstick-Sequenz über den Boden, Kakteen und Stacheldraht geschleift, ein andermal putscht er ein Kätzchen mit Koffein auf oder betäubt seine Ex-Freundin mit einem Giftpfeil. Allerdings hält "Deponia" dieses Niveau nicht das gesamte Spiel durch, dem zweiten der drei Akte hätte etwas mehr Abwechslung gut getan. Dafür zieht die Geschichte im dritten Akt wieder an - schließlich entdeckt Rufus nicht nur die Hintergründe der Verschwörung, sondern auch, dass er Goals Verlobtem Cletus wie aus dem Gesicht geschnitten ist...

Hübsche Grafik, abruptes Ende
So ansprechend wie Witz und Charme der Charaktere ist der Comic-Look gelungen: 3D-Animationen treffen auf handgezeichnete 2D-Hintergründe in HD-Auflösung, die Müllwelt überzeugt. Die zwischendurch eingestreuten Cutscenes gefallen ebenfalls - auch wenn sie, wie das gesamte Spiel, in puncto Dramaturgie etwas zulegen könnten. Musikalisch hätte es durchaus etwas mehr Abwechslung sein dürfen, zudem werden einige Soundeffekte zu oft wiederholt. Zu diesen allesamt kleinen Kritikpunkten gesellt sich ein größerer: "Deponia" endet abrupt und ohne echten Abschluss - das soll zwar eine bereits angekündigte Fortsetzung richten, richtig befriedigend ist das Ende für den Spieler aber dennoch nicht.

Fazit: "Deponia" ist sarkastisch, wird von wundervoll schrägen Figuren bevölkert und schafft es, den Spieler konstant zwischen Nachsicht und Abneigung für den egoistischen Antihelden schwanken zu lassen, der das Chaos magisch anzieht. Ein wenig mehr Hilfestellungen und weniger Gegenstände im Inventar hätten dem Game nicht geschadet, doch Witz, Grafik und sympathische Sprecher machen es wie die guten Kopfnüsse und die zumeist spannende Geschichte zu einem echten Tipp für Adventure-Freunde.

Plattform: PC
Publisher: Daedalic
krone.at-Wertung: 8/10

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