Weg nicht geräumt

90-Jährige war eine Woche lang in Haus eingeschneit

Österreich
26.01.2012 10:14
Eine dramatische Woche hat Tilde B. (Bild) aus Salzburg hinter sich: "Ich war eine Woche in meinem Haus hilflos gefangen", sagte die 90-Jährige. "Beim Schneeräumen haben die Arbeiter meinen Weg vergessen. Auch die Rettung wäre nicht durchgekommen." Erst nach ein paar Tagen wurde ihr schmaler Zugang freigeschaufelt.

"Ich lebe jetzt schon seit 32 Jahren hier", sagte Tilde B. Die Pensionistin erzählt: "Ich bin im neunzigsten Lebensjahr. Mein Haus steht etwas abgelegen oberhalb des Ortes. Aber meinen Haushalt führe ich alleine." Doch die letzten Tage waren für die etwas gebrechliche Frau schrecklich: "Ich war eine Woche in meinem Haus gefangen", schilderte sie. Die Arbeiter hatten beim Schneeräumen zwar eine Zufahrt vom Weiß befreit – aber nicht den Weg zu ihrem Haus. Damit saß sie fest.

"Nach einer Woche Zugang zu mir freigeschaufelt"
Die größte Sorge der Pensionistin war: "Da hätte die Rettung nicht kommen können!" Und das hätte tragisch enden können, denn nach einigen Operationen ist die Frau gesundheitlich nicht mehr voll auf der Höhe, "und außerdem sehe ich so schlecht, dass ich einen Blindenausweis habe", fügte sie hinzu.

Die 90-Jährige sah immer wieder Traktoren vorbeifahren, "aber die sind nicht bis zu mir gekommen. Erst nach einer Woche hat ein Arbeiter von der Gemeinde den Zugang hinauf zu mir freigeschaufelt", erzählte sie. Die Pensionistin hat zwar Telefon im Haus – Hilfe rief sie während ihrer unfreiwilligen Gefangenschaft aber nicht. Nach dem Vorfall verständigte sie ihren Sohn, der in Salzburg wohnt – er bemühte sich sofort, mit einem nahen Bauern eine regelmäßige Schneeräumung bis zum Haus seiner Mutter zu organisieren. Das klappt jetzt.

"Kann nicht verstehen, warum sie nicht angerufen hat"
Bürgermeister Hans Mayr (Bild) war bestürzt, als ihn Mittwoch die "Krone" informierte. "Das ist ja fürchterlich!", meinte er. "Ich war zwar drei Tage im Ausland. Aber ich kann nicht verstehen, warum sie nicht angerufen hat. Da hätte ich die Schneeräumung sofort organisiert!"

Denn mit der knapp 90-Jährigen ist er regelmäßig in Kontakt: "Sie hat mir erst einige Tage vor Weihnachten wieder einen herzzerreißenden Brief geschrieben und sich bedankt, weil ich immer wieder aufpasse, dass bei ihr alles in Ordnung ist." Der Ortschef weiter: "Es ist ja außergewöhnlich, dass jemand in diesem Alter noch seinen Haushalt ganz alleine führt – deshalb schauen wir ja auch so auf Frau B.!" Sein bestürzter Nachsatz: "Wenn sie nur angerufen hätte!"

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