Mittwoch, 11.48 Uhr. Die beiden Räuber läuten an der Tür des Nobeljuweliers "kornmesser" am Graben, geben sich als Kunden aus. Dann ziehen sie ihre Waffen. Der Brillenträger - offenbar der Boss des Trios - hält Jonas, dem Neffen des Geschäftsinhabers, die Pistole an die Stirn, schlägt ihn zu Boden, um ihn kurz darauf wieder aufzurichten und zum Tresor zu führen.
Haupttäter konzentriert sich auf teure Ware
Indes schlägt sein Komplize mit der Pistole die Vitrinen ein. Er verletzt sich, hinterlässt eine Blutspur. Immer wieder fragt er seinen Chef, der die wirklich teure Ware aus dem Tresor holt, um Hilfe, welche Schmuckstücke er nehmen soll. Anschließend verstaut der Hilfsräuber die Beute in einer Tragetasche, setzt eine karierte Schiebermütze auf und verlässt den Juwelier. Sein Boss bleibt vorerst zurück und bringt den Überfall zu Ende. Er fesselt Jonas mit einem Laptop-Kabel, zerstört das Handy des Burschen und geht.
Mithilfe des Überwachungsvideos hofft die Polizei nun um Informationen zur Identität der Männer - Hinweise nimmt das Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer 01/31310-33800 entgegen.
Zwei ähnliche Überfälle im Herbst 2011
Ermittler Geiger geht davon aus, dass bereits drei Überfälle in Wien auf das Konto dieser "höchst professionell agierenden" Gruppierung gehen. Die ersten dieser Überfälle erfolgten im vergangenen Herbst (siehe Infobox). Am 14. September kamen zwei unmaskierte Männer in ein Antiquitätengeschäft in der Stallburggasse. Sie zerrten die anwesenden Frauen - eine Kundin und die Besitzerin des Geschäftes - in einen Nebenraum. Dabei gingen sie gewalttätig vor, die Opfer erlitten Prellungen und Hämatome. Während einer der Männer die Frauen mit einer Waffe in Schach hielt, leerte der andere eine Schmuckvitrine.
Am 27. September folgte der nächste Coup auf die Galerie Rauhenstein in der Seilergasse. Zwei Männer betraten den Verkaufsraum und ließen sich von der Angestellten Eheringe zeigen. Als keine weiteren Kunden mehr im Geschäft waren, packte einer der Täter die Frau und zwang sie mit vorgehaltener Pistole den Tresor zu öffnen, der aber bereits offen stand. Die beiden Männer raubten daraus Schmuck und suchten das Weite.
Beute wird "weit weg auf Märkten" verkauft
"Meist kommen zwei Unmaskierte mit Schusswaffen in die Geschäfte, um nicht gleich als Juwelierräuber aufzufallen. Sie sind sich sicher, nicht erkannt zu werden", so Geiger. Ein möglicher dritter Täter dürfte mit Funkgerät in der Nähe Schmiere stehen, um seinen Komplizen gegebenenfalls zu warnen. Die Beute werde "weit weg von uns auf irgendwelchen Märkten" verkauft. "Sie wird sicher nicht bei einem österreichischen Hehler umgesetzt."
Steckt "Pink-Panther-Bande" hinter Überfällen?
Eine ähnlich professionelle Vorgehensweise legte die berüchtigte "Pink-Panther-Bande" an den Tag. Ob die jetzige Gruppierung den in ganz Europa agierenden "Pink Panthers" angehöre, sei noch Gegenstand von Ermittlungen. Die aus dem Balkanraum stammende Bande geht ebenfalls gut organisiert vor. Zunächst kundschaften sie die Geschäfte aus, für die Flucht werden die Ausgänge blockiert und Fahrzeuge bereitgestellt.
Die "Pink Panthers" waren 2011 auch in Österreich aktiv, die Coups sind teilweise aufgeklärt. "Es ist eine weit verzweigte Gruppierung und sowohl die Auftraggeber als auch die Abnehmer sind nicht bekannt", sagt Geiger. Juwelen seien etwas Begehrtes und locken Kriminelle an. "Schmuck hat ein kleines Beutevolumen, aber einen großen Wert. Und man kann ihn meist leicht absetzen."
"Einen 110-prozentigen Schutz für Juweliere gibt es nicht", meint Geiger. Den höchsten erreicht man nur durch einen ständigen Sicherheitsdienst. Juwelier Günther Kornmesser hatte zwei Securitydienste beauftragt. Ein Sicherheitsmann steht stündlich ein paar Minuten vor dem Geschäft, ein zweiter ist beim Auf- und Zusperren dabei. Das dürften die Täter gewusst haben.
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