Tod und Zerstörung in der Ukraine. Mikroplastik in unseren Seen. 41 tote Flüchtlinge vor Lampedusa. Krise in Niger. Teuerung, ein Phantom, das auf Obdachlose einsticht und ein verurteilter Axtmörder: Es gibt Tage, da fällt es schwer, positive Meldungen zu finden. Gestern war so einer, in letzter Zeit gab es insgesamt viele davon. Zu viele. Im Gegensatz zur gängigen Meinung haben die wenigsten Medien Freude an ständig schlechten Nachrichten. Eine positive Geschichte mit Neuigkeitswert, die viele Menschen anspricht, ihnen nutzt oder sie zum Lächeln bringt - wie oft suchen wir danach. Als Leser wie als Journalist. Und dann kommt Eva. Und erzählt uns, dass sie einst auf einer Party Herbert geküsst hat. Und alles johlt und lacht und kichert, klickt auf den Online-Beitrag, verschlingt den Zeitungsartikel. Wie Eva das schafft? Indem sie Glawischnig heißt und er Herbert Kickl. Indem die eine lange Grünen-Chefin, der andere ihr Kontrahent und FPÖ-Chef war bzw. ist - und beide lange davor zusammen die Schulbank drückten. Warum wir den beiden so viel Platz, so viel Aufmerksamkeit widmen? Weil wir viel zu selten einfach nur herzhaft lachen können. Und es viel öfter sollten.
Die große Liebe wurde aus Eva und Herbert nicht, von Liebesheirat war bei Karl Nehammer und Werner Kogler schon gar nie die Rede. Immer galt die türkis-grüne Koalition als Zweckgemeinschaft, zuletzt schwer gebeutelt von gegenseitigen Anfeindungen bis hin zu Klagsdrohungen. Und doch haben sie geschafft, woran Regierungen vor ihnen gescheitert sind: die Abschaffung der Kalten Progression. Die Entlastung sei ein „Meilenstein“ für alle arbeitenden Österreicher und Österreicherinnen, sind Experten sicher. Das MUSS doch ÖVP und Grüne aus dem Umfragetief, der Vertrauenskrise holen, oder? Mitnichten, analysiert Politik-Experte Peter Plaikner: „Schmähs“ wie die Absicherung des Bargelds in der Verfassung brächten der Koalition mehr Pluspunkte als Handfestes. Kann man verstehen. Muss man aber nicht - und wird damit sicher nicht alleine sein. (ts)
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