Mo, 20. August 2018

Nach Unruhen

15.12.2011 09:46

Chinas Behörden lassen Protest-Dorf "verschwinden"

Nach schweren Unruhen ist ein südchinesisches Fischerdorf von der Außenwelt abgeriegelt worden. Ein monatelanger Streit über Landverkäufe eskalierte in den vergangenen Tagen, nachdem ein Unterhändler der 20.000 Bewohner von Wukan am Sonntag in Polizeihaft ums Leben gekommen war. Die Ortschaft ist mittlerweile für chinesische Internet-User aus dem Netz "verschwunden".

In dem Konflikt in Wukan geht es um den Verkauf von Land durch die Lokalregierung an das große Immobilienunternehmen Country Garden Co.. Schon im September war es deshalb zu gewalttätigen Unruhen gekommen, bei denen nach Behördenangaben zehn Polizisten verletzt und sechs Polizeiwagen zerstört wurden.

Lage eskalierte nach Tod in Polizeigewahrsam
Zwar mussten anschließend mehrere Funktionäre ihre Posten räumen, doch brachten Verhandlungen keine Lösung. Fünf Unterhändler des Dorfes, darunter Xue Jinbo, wurden Ende vergangener Woche wegen ihrer Teilnahme an den Protesten im September festgenommen.

Das Dorf wurde von der Polizei abgeriegelt, während die Bewohner selbst ebenfalls Straßensperren errichteten. Dass der 42-jährige Unterhändler Xue Jinbo zu Tode geprügelt worden sei, bestritten die Behörden gegenüber der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Der plötzliche Tod Jinbos in Polizeihaft sei auf "Herzversagen" zurückzuführen, hieß es unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft der Provinz Guangdong.

Ortschaft fällt Internetzensur zum Opfer
Auf der chinesischen Microblogging-Website "Sina Weibo" (ein Hybrid aus Facebook und Twitter, Anm.) ist das Fischerdorf unterdessen vorübergehend nicht mehr aufrufbar. Suchanfragen über Wukan werden von den Behörden blockiert, berichtete die britische BBC. Stattdessen erscheine die Meldung: "Laut entsprechenden Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien können Suchergebnisse für Wukan nicht angezeigt werden."

Die Rebellion des Fischerdorfes in der wirtschaftlichen Boom-Provinz Guangdong wirft ein Schlaglicht auf die zunehmenden sozialen Unruhen und Proteste in China. Ursachen sind häufig Konflikte über zwangsweise Landenteignungen, unzureichende Entschädigungen, Umweltverschmutzung, unbezahlte Löhne oder Polizeigewalt. Im vergangenen Jahr zählten Soziologen rund 180.000 solcher Fälle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.