Fr, 14. Dezember 2018

Prozessauftakt

01.12.2011 13:42

Deutsches Ehepaar hielt junge Frau als Haussklavin

Todesdrohungen, Schläge und sexuelle Übergriffe - rund neun Monate soll das Martyrium einer jungen Frau in Deutschland gedauert haben. Seit Donnerstag muss sich ein Ehepaar aus Baden-Württemberg vor Gericht verantworten, weil es die heute 21-Jährige (Bild) als Haussklavin gehalten haben soll. Laut Staatsanwaltschaft habe der 51-jährige Angeklagte die Frau geschlagen und sexuell genötigt, seine 46-jährige Gattin wiederum habe nichts gegen die Gewalt unternommen.

Die junge Frau - eine Internetbekanntschaft des Sohnes - war im März 2010 freiwillig zu der Familie gezogen. Spätestens im September habe das Ehepaar dann den Beschluss gefasst, die Frau so einzuschüchtern, dass sie nicht fliehen würde, sagte Staatsanwältin Manuela Molnar zum Prozessauftakt. Nach dem Umzug der Familie im vergangenen Winter soll der 51-Jährige das mutmaßliche Opfer dann fast täglich geschlagen oder getreten haben. Seine 46-jährige Ehefrau habe die Gewalt billigend in Kauf genommen, auch um nicht allein den Angriffen ihres Mannes ausgesetzt zu sein, so Molnar.

Staatsanwältin: "Wie eine Leibeigene behandelt"
Das Ehepaar hätte die junge Frau wie eine "Leibeigene" behandelt und durch "ein Herrschafts- und Gewaltverhältnis" eingeschüchtert, um ihre Flucht zu verhindern, sagte die Staatsanwältin. Die junge Frau, die als Nebenklägerin vor Gericht erschien, durfte laut Anklage das Haus nur in Begleitung von Familienmitgliedern verlassen. Nachbarn berichteten, sie habe einen ungepflegten und traurigen Eindruck gemacht, sagte ein Polizeibeamter am Donnerstag vor Gericht. Heuer im Juni gelang ihr schließlich durch ein offenes Fenster die Flucht.

Während die Ermittlungen gegen den 15-jährigen Sohn eingestellt wurden, da laut Staatsanwaltschaft kein ausreichender Verdacht bestehe, muss sich das arbeitslose Paar nun wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme sowie gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Dem Mann wird zudem sexuelle Nötigung zur Last gelegt. Das Paar hatte bei seinen Vernehmungen die Vorwürfe stets bestritten.

Ehepaar bereits wegen Misshandlung verurteilt
Doch der Mann und seine Frau sind bereits einschlägig vorbestraft: 2002 wurden sie wegen der Misshandlung einer Verwandten verurteilt. Sie hatten die damals minderjährige Schwester der Frau zu Hausarbeiten gezwungen und mehrmals schwer mit einer Eisenstange und einer Kette verletzt. Der Mann bekam viereinhalb Jahre Haft, die Frau eine zweijährige Bewährungsstrafe.

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