Von Peter Kraus, Winnetour, Eminem über ABBA bis Madonna: „Bravo“-Starschnitte haben einst unzählige Jugendzimmer, auch in Österreich, geschmückt. Jetzt nimmt eine Ausstellung die Besucher mit auf eine Zeitreise - und erinnert an ein Objekt, das heute wohl kaum mehr funktionieren würde.
Die Opelvillen in Rüsselsheim zeigen ab dem 25. Juni die Ausstellung „'Bravo'-Starschnitte. Eine Sammlung von Legenden“, die insgesamt 45 nachgedruckte Puzzle-Poster aus den Jahren 1959 bis 2004 präsentiert.
Die Ausstellung ermöglicht den Besuchern eine Zeitreise, wie Kuratorin Beate Kemfert betont. Neben Brigitte Bardot - sie war auf dem allerersten Starschnitt zu sehen - ist beispielsweise auch einer von Peter Kraus zu sehen. Es gibt mehrere Poster der Beatles, Elvis Presley, Marilyn Monroe, Eminem, Madonna, James Dean, Mick Jagger und vielen anderen. Die Ausstellung umfasst auch Musikstücke, um die Atmosphäre der jeweiligen Ära zu vermitteln.
Provokation, die Generationen geprägt hat
Die Kunsthistorikerin Kemfert erklärt, dass die Starschnitte etwas Besonderes waren und dass die „Bravo“ Generationen von Teenagern geprägt hat, aber in vielen Haushalten auch verboten war. Sie betont, dass die Ausstellung auch Starschnitte von Kiss oder Alice Cooper sowie von der Gruppe Village People zeigt, die in der Homosexuellen-Szene gefeiert wurde. Das Aufhängen dieser Poster war damals eine Provokation und eine Abgrenzung von den Eltern.
Alex Gernandt, ehemaliger Chefredakteur der „Bravo“ von 1988 bis 2013, beschreibt die „Bravo“ als das Tor zur weiten Welt für Jugendliche in früheren Zeiten. Er betont, dass in der Ära vor der Digitalisierung und dem Internet der Starschnitt eine Möglichkeit war, sich seine Idole ins eigene Zimmer zu holen. Das Konzept des Starschnitts habe auch die Bindung zwischen den Lesern und der Zeitschrift gestärkt, da man die folgenden Ausgaben kaufen musste, um alle Teile zusammenzubekommen.
Für Beatles-Starschnitt waren 44 Teile in 39 Ausgaben nötig
Besonders lange mussten die Beatles-Fans ab November 1965 sammeln, um einen vollständigen Starschnitt der Band zu bekommen. Dafür waren 44 Teile in 39 Ausgaben der „Bravo“ erforderlich. 1992 endete die regelmäßige Rubrik mit dem US-Serienstar Jason Priestley („Beverly Hills, 90210“).
Später gab es vereinzelte Wiederbelebungen mit Stars wie Britney Spears oder Michael „Bully“ Herbig, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Ein interessantes Ausstellungsstück ist der Nachbau der Ponderosa Ranch aus der US-Serie „Bonanza“, den man mithilfe eines Bastelbogens aus der „Bravo“ erstellen konnte.
Die Zeiten, in denen die „Bravo“ als Symbol der Jugend galt, sind längst vorbei. Wie viele andere Printmedien hat die Zeitschrift in den letzten Jahren einen starken Rückgang der Auflage erlebt. Im ersten Quartal 2023 wurden knapp 53.000 Exemplare verkauft, während es im Vergleich dazu im Jahr 1998 noch 970.000 waren. In den frühen 1990er-Jahren erreichte die wöchentliche Auflage laut Ex-Chefredakteur Gernandt sogar über 1,5 Millionen Exemplare.
Die Ausstellung präsentiert auch Fanartikel, Plattencover und ein nachgebautes Jugendzimmer im Stil vergangener Zeiten. Besucher sind eingeladen, alte Fotos ihrer Starschnitte mitzubringen und aufzuhängen. Zusätzlich sind alte „Bravo“-Ausgaben mit Foto-Love-Stories und Aufklärungsseiten von „Dr. Sommer“ ausgestellt.
Heute holt man die Stars via Instagram zu sich nach Hause
Gernandt ist der Meinung, dass das Konzept des Starschnitts heutzutage nicht mehr funktionieren würde. Die jüngere Generation habe oft nicht einmal mehr die Zeit, ein Tik-Tok-Video bis zum Ende anzuschauen, geschweige denn über Wochen hinweg ein Poster zusammenzusetzen. Das Internet habe zudem eine große Veränderung gebracht, da Stars heutzutage jederzeit und überall auf Plattformen wie YouTube oder in den sozialen Medien verfügbar sind.








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