Vor allem die tiefer gelegenen Gebiete Österreichs im Osten sind stark von der Feinstaubbelastung betroffen. Nach Angaben des Umweltbundesamts werden die EU-Grenzwerte an manchen Messstellen täglich bis zum Dreifachen des Erlaubten überschritten. Laut Umweltmediziner und GLOBAL-2000-Chef Klaus Kastenhofer können derart hohe Konzentrationen sogar Herzinfarkte auslösen. Ebenfalls besonders gefährdet: Kinder und deren noch empfindlicheres Atemwegssystem.
Auch Ärzte warnen vor der gefährlichen Verschmutzung in Wien, im Donauraum, Grazer und Klagenfurter Becken sowie in der Inntalregion. Der Umweltmediziner Hans Peter Hutter von der Medizin-Universität Wien beschrieb im Ö1-"Morgenjournal" am Dienstag einen regelrechten Schadstoffcocktail: "Die Feinstaubpartikel bleiben im Körper - in der Leber, in der Niere und auch im Gehirn - und können dort Probleme verursachen." Auch Hutter hält autofreie Tage für notwendig. Die Politik müsse "Rückgrat zeigen" und "unbequeme Maßnahmen fordern".
Politiker schieben sich den Ball gegenseitig zu
Doch was machen die Politiker? Sie schieben sich gegenseitig den Ball zu. "Die Länder sind für die Luftreinhaltung zuständig. Welche Maßnahmen sie umsetzen, ist deren Entscheidung", so Minister Niki Berlakovich. Immerhin: Er will Druck machen. Für AK-Umweltexperte Franz Greil nicht genug: "Es gibt Verordnungslücken."
Bei einem krone.at-Voting waren am Dienstag nur 36,7 Prozent für Fahrverbote bei "dicker Luft" (siehe Infobox). Indes werden in den Ländern Rufe nach einem Feinstaub-Gipfel lauter.
Deutschland als Vorbild?
Aufgebracht hatten die Diskussion der Verkehrsclub Österreich und Greenpeace mit ihrer Forderung nach Fahrverboten. VCÖ-Sprecher Christian Gratzer hatte im "Morgenjournal" gesagt, dass sich die heimischen Politiker ein Beispiel an knapp 50 deutschen Städten und ihren Umweltzonen nehmen sollten, in denen bei erhöhter Feinstaubbelastung Fahrverbote verhängt werden. "In Berlin wurde die Feinstaub-Belastung durch den Verkehr um die Hälfte reduziert", so Gratzer.
"Weniger Autos, weniger Feinstaub", lautet auch die Strategie von Greenpeace-Vertreter Jurien Westerhof. "Über Fahrverbote wird man nachdenken müssen. Sonst wird es nicht gelingen, das Problem in den Griff zu bekommen", so der Verkehrsexperte. Obwohl jedes Bundesland einen Maßnahmenkatalog habe, funktioniere die Verringerung des Feinstaubs nicht. Als Paradebeispiel, wie es funktionieren kann, nennt der Umweltschützer die Südtiroler Hauptstadt Bozen. Dort sei es gelungen, das Problem mit Fahrverboten zu lösen.
Aufatmen ist in Österreich laut Wetterdienst UBIMET übrigens frühestens am Samstag möglich: Denn dann sollte aufkommender Wind die schadstoffangereicherte Luft ausräumen.










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