Das Entstehen von Resistenzen gegen häufig verwendeten Antibiotika ist ein altbekanntes Problem. 25.000 Todesfälle in der EU pro Jahr seien auf arzneimittelresistente Bakterien zurückzuführen und kosten die Gesundheitssysteme sowie Unternehmen rund 1,5 Milliarden Euro, schätzt die Kommission. "Wir müssen rasch und entschlossen handeln, wenn wir nicht die Möglichkeit verlieren wollen, bakterielle Infektionen bei Mensch und Tier mit Antibiotika zu behandeln", sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli am Donnerstag in Brüssel.
Eine Untersuchung des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) zeigte zum Beispiel, dass etwa der Anteil der Carbapeneme-resistenten Klebsiella Pneumonia in Europa sowohl bei Menschen als auch bei Tieren auf dem Vormarsch ist. Laut einer Aussendung des ECDC sind in mehreren europäischen Mitgliedsstaaten zwischen 15 und fast 50 Prozent der Klebsiella-Pneumonia-Bakterien bereits resistent gegen Carbapeneme - Reserveantibiotika, die besonders stark sind und nur bei schweren Infektionen zum Einsatz kommen.
Klebsiella-Bakterien sind im Darm gesunder Menschen angesiedelt, können jedoch bei Menschen mit schwachem Immunsystem - insbesondere in Krankenhäusern - gefährliche Infektionen wie zum Beispiel Lungenentzündungen oder Infektionen der Harnwege auslösen.
Rapider Anstieg seit 2009
Seit 2009 hat die Anzahl der resistenten Klebsiella-Bakterien in Europa rapide zugenommen. 2010 wurde diese Entwicklung vor allem in Österreich, Zypern, Ungarn und Italien beobachtet. Einen Rückgang verzeichneten hingegen Infektionen mit den multiresistenten Keimen MRSA. Die Abkürzung steht für methicillin-resistente Stämme des Erregers Staphylococcus aureus. Dieses Bakterium reagiert nicht mehr auf viele gängige Antibiotika und ist deshalb sehr schwer zu behandeln. 2010 wurde dieser Rückwärtstrend in sieben Ländern, darunter auch Österreich, beobachtet. Einen europaweiten Zuwachs gab es hingegen bei Antibiotika-Resistenzen der E.-coli-Darmbakterien.
Richtige und restriktive Verwendung erachtet die ECDC als wichtige Strategie gegen das Fortschreiten von Resistenzen. Studien würden zeigen, dass 50 Prozent des Antibiotikaeinsatzes in Krankenhäusern ungeeignet seien. Umsichtige Gabe von Antibiotika sei aber ausschlaggebend für die Prävention. Darüber hinaus ist die Einhaltung von Hygienemaßnahmen durch medizinisches Personal - vor allem das Händewaschen - immer noch der effektivste Weg, um die Ausbreitung von Infektionen in Krankenhäusern zu verhindern.
"Moderater Verbrauch in Österreich"
Die Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit, Pamela Rendi-Wagner betonte, im europaweiten Vergleich verzeichne die Alpenrepublik bis dato immer noch einen "moderaten Verbrauch" an Antibiotika, auch bezüglich der Resistenzen liege Österreich recht gut. Da zwar bekannt ist, dass die Gefahren für Mensch und Tier durch Resistenzen eng zusammenhängen, nicht aber, wie genau, sei für 2012 ein enger interdisziplinärer Dialog zwischen Human- und Veterinärmedizin vorgesehen.
Die EU-Kommission will mit einem Maßnahmenpaket die Resistenzen gegen Antibiotika in den nächsten fünf Jahren stärker bekämpfen. Die zwölf geplanten Maßnahmen sollen die weitere Ausbreitung der Antibiotikaresistenz verhindern und neue antibiotische Behandlungsmöglichkeiten schaffen. Die EU-Kommission will unter anderem die EU-Rechtsvorschriften für Tierarzneimittel und Fütterungsarzneimittel verschärfen, die Infektionsprävention und -kontrolle in Krankenhäusern stärken und die Forschungszusammenarbeit fördern. Außerdem sollen die Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz ausgebaut werden und die Öffentlichkeit stärker für das Thema sensibilisiert werden.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.