Technischer Defekt
S&P stuft Frankreich irrtümlich herab
Die Agentur selbst klärte den Fehler erst Stunden nach dem Vorfall auf: Eine entsprechende E-Mail sei an einige Abonnenten der S&P-Internetseite versendet worden. Standard & Poor's sprach von einem "technischen Fehler". Man wolle die genaue Fehlerquelle untersuchen.
Die Panne hätte zu kaum einem ungünstigeren Zeitpunkt passieren können: Bereits vorher waren die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen zu den als extrem sicher geltenden deutschen Staatsanleihen auf Rekordhöhe gestiegen - mittlerweile liegen sie bei knapp 1,6 Prozent. In diesem hochnervösen Umfeld verschickte die Agentur dann am Donnerstagabend ihre E-Mail.
Lage entspannt nur leicht
Zumindest teilweise aufgrund dieses Patzers von S&P hatte die Rendite für zehnjährige französische Staatstitel am Donnerstag einen Sprung um rund 0,3 Prozentpunkte hingelegt. Die Rendite des französischen Zehn-Jahres-Papiers lag am Freitagvormittag bei 3,4 Prozent und damit nur leicht unter dem Höchststand vom Donnerstag. Die Lage beruhigte sich demnach nur leicht.
EU-Kommissar Michel Barnier kommentierte die Panne als "schwerwiegenden Vorfall" und drohte mit Sanktionen. "Es ist nun Sache der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, gemeinsam mit der nationalen Aufsichtsbehörde AMF die Fakten zu prüfen und Schlussfolgerungen zu ziehen", sagte Barnier am Freitag in Brüssel. Die Panne belege jedenfalls die Notwendigkeit, Ratingagenturen schärfer zu kontrollieren. "All dies stärkt meine Überzeugung, dass Europa striktere und schärfere Regeln braucht."
Ruhiger Wochenausklang für Staatsanleihen der Sorgenkinder
Derweil hat sich die Lage für italienische und griechische Staatsanleihen zum Wochenausklang entspannt. Nachdem in Athen der Weg für eine Übergangsregierung frei wurde, muss Griechenland deutlich geringere Risikoaufschläge zahlen.
Die Risikoaufschläge für italienische Staatstitel, die bereits am Donnerstag merklich gesunken waren, gingen auch am Freitag spürbar zurück. In Italien sank die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihe im Vormittagshandel um gut ein Viertel Prozentpunkte auf rund 6,6 Prozent. Am Mittwoch war die Rendite deutlich über sieben Prozent gesprungen. In der Nähe dieses Renditeniveaus, das unter Experten über längere Zeit als nicht tragfähig gilt, hatten die Euro-Länder Griechenland, Irland und Portugal mit Finanzhilfen gerettet werden müssen.




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