Roter Kater. Morgen wissen wir mehr, aber wissen wir alles? Nachdem 148.000 Mitglieder der SPÖ zweieinhalb Wochen lang über ihre künftige Parteispitze abstimmen durften und seither die Stimmen beinahe ebenso lange ausgezählt werden, soll morgen, Montag, endlich das Ergebnis bekanntgegeben werden. Wer gewinnt? Pamela Rendi-Wagner, Hans Peter Doskozil oder Andreas Babler? Oder gar „Kandidat Nr. 4“ - Keiner? Denn auch diese Option stand den Wahlberechtigten offen. Eine Menge Fragen stellen sich vor der Bekanntgabe. Wie hoch gewinnt die oder der Erste? Schafft sie oder er eine absolute Mehrheit? Wenn nicht, wie stark kann eine oder ein mit so schwacher Mehrheit ausgestattete(r) an der SPÖ-Spitze sein? Und kann es dieser Spitze gelingen, die Partei wieder zu versöhnen? Zur Versöhnung brauche es ein Einsehen bei allen Lagern, sagt mit Josef Kalina ein Intimkenner der Partei, rotes Urgestein und einst selbst Bundesgeschäftsführer der SPÖ heute in der „Krone“. Wenn das vom ehemaligen Parteimanager eingeforderte sofortige „Aufeinanderzugehen“ nicht erfolge, drohe ein endloser Konflikt. Kalina: „Und der wird dann mit einem Kater nach der nächsten Nationalratswahl enden.“ Anstelle des nicht nur Kindern bekannten „armen schwarzen Katers“ also ein roter Kater…
Rotes Wunder. Bei der Nationalratswahl die SPÖ auf Platz 1 mit 27 bis 30 Prozent, dahinter die ÖVP mit 22 bis 23 Prozent, auf dem dritten Platz die FPÖ mit 19 bis 20 Prozent - Sie glauben Ihren Augen nicht trauen zu können? Solche Umfragewerte wären doch völlig absurd?Mitnichten! Genau diese Werte kursierten vor einem Jahr: Die Sozialdemokraten in allen Umfragen klar auf Platz 1, die Freiheitlichen kämpften um den Sprung über die 20-Prozent-Marke. Seither hat sich fast alles gedreht. Die FPÖ kämpft mittlerweile um den Sprung über die 30-Prozent-Marke, die SPÖ stürzte auf 20 bis 23 Prozent ab, wo sie sich mit der auf diesem tiefen Niveau stabilen ÖVP matcht. Nicht nur ganz Österreich, auch international fragt man sich, wie in Zeiten wie diesen, in denen die Inflation die Menschen hier noch weit dramatischer würgt als in den meisten vergleichbaren Ländern, nicht die Sozialdemokraten Höhenflüge erleben, sondern die Freiheitlichen mit einem - gelinde gesagt - speziellen Parteiobmann? Das blaue Wunder blüht nicht zuletzt gerade auch genau deshalb! Denn dem FPÖ-Obmann gelingt, was die aktuelle SPÖ-Obfrau so gar nicht schafft: die Partei hinter sich zu bringen und Wähler einzusammeln. Ob das nach der unsäglichen Mitgliederbefragung der Frau oder dem Mann an der Spitze der SPÖ gelingen wird - siehe oben? Es wäre nicht weniger als ein rotes Wunder.
Kommen Sie gut durch den Sonntag!
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