Optischer Kompass

"Sonnenstein" der Wikinger vermutlich keine Legende

Wissenschaft
02.11.2011 14:14
Der sagenumwobene "Sonnenstein", der die Wikinger selbst bei schwierigen Wetterverhältnissen sicher über die Meere geführt haben soll, ist vermutlich mehr als nur eine Legende. Einer von der britischen Royal Society veröffentlichten Studie zufolge nutzten die legendären Seefahrer vermutlich sogenanntes Kalkspat (auch Calcit genannt), um die genaue Position der Sonne auszumachen und sich daran zu orientieren.

Laut einer altnordischen Sage haben die verwegenen Segler Kristalle mit besonderen optischen Eigenschaften, sogenannte "Sonnensteine", zur Orientierung benutzt. Ein solcher Stein aus Calcit war 1977 in einem vor der Kanalinsel Alderney geborgenen Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert gefunden worden.

Bekannt ist, dass die Wikinger mit ihren Schiffen Tausende von Kilometern in Richtung Island und Grönland zurücklegten und vermutlich lange vor Christoph Kolumbus Amerika entdeckten. Doch ihre Fähigkeit, selbst unter sehr ungünstigen Umständen - etwa in der Polarnacht oder bei Schneesturm - ohne Kompass so lange Entfernungen zurückzulegen, gab Forschern bisher ein Rätsel auf. Ein Team von französischen, kanadischen und US-Forschern meint nun, die Antwort zu kennen.

Position der Sonne dank Kalkspat bestimmt
Der Kalkspat sei ein transparenter Stein, der in Skandinavien häufig vorkomme, erläutert Guy Ropars von der Universität Rennes in der Bretagne. Wer durch Kalkspat blicke, sehe zwei unterschiedliche Bündel des Sonnenlichts, einen "ordentlichen und einen außerordentlichen Strahl". Durch Drehen des Steins, der wegen dieser zweifachen Brechung der Lichtbündel auch Doppelspat genannt wird, könne eine Position erreicht werden, in der die Intensität beider Lichtbündel identisch sei. In diesem Moment zeige der Kristall genau die Richtung der Sonne an. Selbst bei geringem Sonnenlicht sei es so möglich, mit Hilfe des transparenten Steins die Position der Sonne zu bestimmen.

Die "Sonnensteine", die sozusagen als optische Kompasse verwendet wurden, seien für die Wikinger lebenswichtig gewesen, so die Forscher, die überzeugt sind, dass die Nachfahren der Wikinger diese Methode auch noch verwendet, nachdem der Kompass erfunden wurde, denn dessen magnetische Wirkung konnte vom Metall in den Schiffen - etwa dem der Kanonen - beeinträchtigt werden.

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