Verspekuliert
Euro-Schuldenkrise stürzt Wall-Street-Firma in die Pleite
MF Global wickelt etwa für Hedgefonds deren Geschäfte mit Währungen, Derivaten oder Rohstoffen ab. Das Haus hatte aber auch selbst mit europäischen Staatsanleihen im Volumen von 6,3 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) spekuliert - das scheint MF Global zum Verhängnis geworden zu sein.
Kurs um 67 Prozent eingebrochen
Die Firma fuhr alleine im dritten Quartal einen Verlust von 192 Millionen Dollar ein. Die Ratingagenturen Moody's und Fitch stuften die Kreditwürdigkeit des Unternehmens in der Folge auf Ramschniveau herunter. Der Kurs des börsennotierten Wertpapierhändlers war in der vergangenen Woche um 67 Prozent eingebrochen.
Der nun eingebrachte Insolvenzantrag bedeutet allerdings nicht automatisch das Ende von MF Global. Das Unternehmen kann unter Aufsicht des Gerichts weiterarbeiten und versuchen, wieder auf die Beine zu kommen oder einen Käufer zu finden. Dabei müssen die Gläubiger - im Fall von MF Global die US-Großbank JPMorgan Chase und die Deutsche Bank - aber üblicherweise auf große Teile ihrer Forderungen verzichten.
Pleite erinnert an Lehmann-Bankrott
Die jetzige Pleite erinnert an den Bankrott von Lehman Brothers vor drei Jahren, ist in den Ausmaßen aber nicht vergleichbar: MF Global hat mit knapp 2.900 Mitarbeitern gerade einmal ein Zehntel des Personals von Lehman Brothers. Zudem sind die Verflechtungen innerhalb der Finanzbranche weit weniger stark ausgeprägt als bei der damals viertgrößten Investmentbank der Welt.
Lehman Brothers war im September 2008 unter der Last von Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt zusammengebrochen und hatte damit um ein Haar die gesamte Finanzwelt mit in den Abgrund gerissen. Überall auf der Welt mussten die Steuerzahler rettend einspringen. Bis heute warten die Gläubiger von Lehman auf ihr Geld.
Experten schließen Domino-Effekt aus
Auch wenn Finanzexperten jetzt nach der MF-Global-Pleite einen Domino-Effekt wie vor drei Jahren ausschließen, bleibt zumindest die Frage, ob das Unternehmen als weiterer "Kanarienvogel im Kohlebergwerk Euro-Zone" gelten kann, wie es ein Wirtschaftsjournalist der BBC formulierte.







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