UNO-Hochrechnung
Weltbevölkerung: Ab jetzt sind wir sieben Milliarden
Als Erstes wurde der siebenmilliardste Mensch der Welt symbolisch auf den Philippinen begrüßt. Zwei Minuten vor Mitternacht (Ortszeit) erblickte die kleine Danica May Camacho das Licht der Welt (im Bild oben). Im Kreißsaal eines Krankenhauses von Manila waren u.a. UNO-Vertreter anwesend, die einen Kuchen mitbrachten.
"Sie sieht so süß aus", sagte die Mutter des Babys, Camille Dalura. "Ich kann gar nicht glauben, dass sie der siebenmilliardste Mensch der Welt ist." Anlässlich des Ereignisses erhielt das Kind ein Stipendium für ein späteres Studium, die Eltern bekommen finanzielle Unterstützung zum Aufbau eines Geschäfts.
"Tragfähigkeit" des Planeten erreicht?
Durch das Erreichen der Sieben-Milliarden-Marke ist nun jedenfalls auch erstmals jene Bevölkerungsanzahl erreicht, die der preußische Gelehrte Johann Peter Süßmilch 1741 als maximal für den Planeten tragbare Anzahl berechnete. Als er seine Thesen veröffentlichte, lebten auf der Erde 700 Millionen Menschen. 63 Jahre später, schätzen Experten, war die erste Milliarde erreicht.
Es dauerte 123 Jahre bis zur zweiten, 33 bis zur dritten und nur noch 14 Jahre bis zur vierten Milliarde. 13 Jahre später, 1987, wurde dann die fünfte und 1999 die sechste Milliardengrenze überschritten (siehe auch Grafik im dritten Bild oben). Derzeit werden jede Minute durchschnittlich 150 Menschen geboren, im Jahr fast 80 Millionen - einmal Deutschland alle 365 Tage. Bis 2050 wird ein weiterer Anstieg der Weltbevölkerung auf 9,3 Milliarden und bis Ende des Jahrhunderts auf über zehn Milliarden Menschen vorausgesagt.
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Die von Süßmilch vor über 250 Jahren aufgeworfene Frage beschäftigt daher weiterhin die Experten: Wie viele Menschen kann die Erde tragen? "Die Menschheit hat das Problem bisher besser gemanagt, als viele früher dachten", sagt etwa John Bongaarts von der New Yorker Denkfabrik Population Council. Denn noch vor 30 Jahren gingen viele bei sieben Milliarden Menschen vom sicheren Kollaps der Erde aus. "Aber trotzdem gibt es klare Zeichen, dass die Umwelt mit der jetzigen Einwohnerzahl überlastet ist", meint der Forscher. "Wir könnten noch mehr Menschen ernähren, aber nur, wenn wir noch mehr Natur verbrauchen. Und das würde zwangsläufig in den Untergang führen."
"Wir könnten sogar elf Milliarden Menschen ernähren"
Dabei kann der Planet seine Kinder eigentlich ohne Probleme ernähren, glaubt Joel Cohen. "Wir könnten sogar neun, zehn, elf Milliarden Menschen satt machen. Das Getreide ist da, schon heute", sagt der Professor der New Yorker Rockefeller-Universität. Aber: "Nur 46 Prozent werden gegessen. 34 Prozent werden an Tiere verfüttert, der Rest ist Biosprit und Schmierstoff." Eine Milliarde Menschen habe ständig Hunger. "Kein Wunder, wenn wir mehr als die Hälfte unserer Nahrungsmittel lieber an Vieh und Maschinen als an Menschen verfüttern." Der Biokraftstoff treibe die Preise zusätzlich, rechnet auch Bongaarts vor. "Für uns in den USA oder Deutschland mag das ärgerlich sein. Für Menschen in der Dritten Welt aber ist das eine Katastrophe."
Bisher ging noch jede Prognose, wann es zu viele Menschen gebe, daneben. Bei Süßmilch waren es Theologen, die eine Milliarde für Unsinn hielten: Für die Auferstehung solcher Massen seien die himmlischen Gefilde gar nicht ausgelegt. Später waren es vor allem Nahrungsmittel, die als Limit herhalten mussten. Doch bis jetzt hat die Menschheit immer noch rechtzeitig eine Ertragssteigerung geschafft - wenn auch oft auf Kosten der Umwelt. Die Experten sind sich einig, dass Hunger zwar zunächst ein politisches und kein Agrarproblem ist. Doch Hilfe gebe es nur durch Geburtenkontrolle.
UNO: Erfreulicher Trend in den letzten Jahren
Die Trends in der Weltbevölkerung über die letzten sechs Jahre sind laut aktuellem UNO-Bericht jedenfalls erfreulich. Dies gelte insbesondere für den Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung von 48 Jahren Anfang der 1950er Jahre auf rund 68 Jahre im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Die Säuglingssterblichkeit sei von 133 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten in den 1950er Jahren auf 46 pro 1.000 Lebendgeburten im Zeitraum 2005 bis 2010 gesunken.
Im selben Zeitraum sei die durchschnittliche Kinderanzahl pro Frau um über die Hälfte von 6,0 auf 2,5 zurückgegangen. Diese Entwicklung sei zum Teil auf das Wirtschaftswachstum und die fortschreitende Entwicklung in vielen Ländern zurückzuführen, zum Teil aber auch auf soziale und kulturelle Einflüsse sowie auf einen verbesserten Zugang von Frauen zu Bildung, Arbeitsmöglichkeiten und "Diensten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit", einschließlich moderner Verhütungsmethoden.
Widersprüchliche Entwicklung in verschiedenen Regionen
"Obwohl Frauen heute im Durchschnitt weniger Kinder haben als in den 1960er Jahren, steigt die Zahl der Menschen auf der Erde weiterhin an", heißt es im Weltbevölkerungsbericht weiter. Demnach seien mehr Menschen jünger - und mehr Menschen älter - als je zuvor. Die Verteilung auf dem Planeten ist dabei höchst widersprüchlich: Während in manchen der ärmsten Länder anhaltend hohe Fruchtbarkeitsraten die Entwicklung behindern, lassen wiederum die niedrigen Geburtenraten in einigen der wohlhabendsten Länder einen Mangel an jungen Arbeitskräften und die Frage nach der Tragbarkeit von sozialen Sicherungssystemen aufkommen.







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