Wieder 40 Tote

Syrien: Ruf nach NATO-Einsatz wird immer lauter

Ausland
29.10.2011 09:33
Auf Syriens Straßen wird wegen des militärischen Vorgehens der Regierung gegen die Protestbewegung der Ruf nach einem NATO-Einsatz immer lauter. Nach den Freitagsgebeten riskierten in Hama und Homs Demonstranten erneut ihr Leben und forderten die Hilfe des Westens, dessen Luftangriffe auch in Libyen eine entscheidende Rolle beim Sturz von Staatschef Muammar al-Gadafi gespielt hatten. Syrische Regierungstruppen erschossen nach Angaben von Aktivisten mindestens 40 Demonstranten.

Auch in anderen syrischen Städten hätten ähnliche Kundgebungen stattgefunden, berichteten Bewohner und Regierungsgegner. Die Demonstranten fühlen sich durch Gadafis Tod ermutigt.

Raketen gegen Wohnviertel
Staatschef Bashar al-Assad zeigt sich vom internationalen Druck allerdings unbeeindruckt: Einwohner berichteten, Hubschrauber hätten diese Woche mit Maschinengewehren und Raketen auf Wohnviertel in Homs gefeuert. Die Stadt Hama war schon in den 1980er-Jahren Schauplatz eines Massakers: Damals tötete das Militär dort Tausende Menschen.

Nach Angaben des oppositionellen Lokalen Koordinierungskomitees, das eine wichtige Rolle bei der Organisation der Proteste spielt, riegelten die Sicherheitskräfte mehrere Moscheen im Zentrum der Hauptstadt Damaskus ab, um dort Proteste nach dem Freitagsgebet zu verhindern. Damaskus war bisher von den Protesten kaum betroffen.

Arabische Liga: "Anhaltende Tötung von Zivilisten"
Auch ein Komitee der Arabischen Liga verurteilte am Freitag die "anhaltende Tötung von Zivilisten" und rief Präsident Bashar al-Assad auf, sich für ihren Schutz einzusetzen. Das Komitee hatte Assad am Mittwoch in Damaskus getroffen. Am Sonntag will es sich mit syrischen Vertretern in Katar treffen, um einen Ausweg aus der syrischen Krise zu suchen.

Ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, die jüngste Gewalt in Syrien sei "bestürzend" und "konterkariere" die Bemühung der Arabischen Liga. "Der internationale politische Druck muss noch einmal signifikant erhöht werden, damit das syrische Regime endlich einlenkt", erklärte der Sprecher.

Regierungsgegner fordern Flugverbotszone
Gegner der syrischen Regierung hatten auf ihrer Facebook-Seite dazu aufgerufen, für die Einrichtung einer Flugverbotszone nach dem Vorbild von Libyen auf die Straße zu gehen. Das von der internationalen Gemeinschaft durchzusetzende Flugverbot solle der "Freien Armee Syriens" erlauben, gegen die Sicherheitskräfte von Präsident Assad vorzugehen, hieß es. 

Die sogenannte Freie Armee Syriens ist eine bewaffnete Oppositionsgruppe, deren Bildung im Juli von desertierten Soldaten bekannt gegeben wurde. Der oppositionelle Nationalrat hat internationalen Schutz verlangt, den Wunsch nach einer Militärintervention nach dem Vorbild Libyens jedoch nicht ausdrücklich ausgesprochen.

Bisher 3.000 Menschen getötet
Die Regierung Syriens geht seit sieben Monaten gegen die Revolte vor, macht aber bewaffnete Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Weil die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen wurden, ist eine Überprüfung der Angaben nur schwer möglich. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste Mitte März rund 3.000 Menschen getötet, in ihrer großen Mehrheit Zivilisten.

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