Die Kampagne beginnt - ohne viele Worte der Einleitung zu verlieren - in einer fahrenden U-Bahn, wo bereits eine Handvoll schwerbewaffneter Terroristen wartet. Warum und weshalb, das erschließt sich zunächst nicht. Nach einem Szenenwechsel befindet sich der Protagonist, ein Sergeant Blackburn, in einem Verhörzimmer der CIA, um in Rückblenden von den vorangegangenen Ereignissen zu berichten.
Ähnlich Activisions Gegenspieler "Call of Duty", springt die Story fortan während der nächsten sechs bis acht Stunden zwischen Schauplätzen und Charakteren hin und her. Vom dunklen U-Bahnschacht geht es zunächst in den Irak, der neben weiteren Terroristen auch mit einem Erdbeben aufwartet, und von dort in der Rolle von Leutnant Jennifer Hawkings an Bord einer F/A-18E Super Hornet, um feindliche MIGs vom Himmel zu holen. Auch ans Steuer eines Panzers dürfen sich Spieler im weiteren Spielverlauf noch klemmen.
Grandiose Licht-Effekte und Animationen
Vieles davon hat man beim bereits erwähnten Konkurrenzprodukt schon gesehen, doch während die "Call of Duty"-Serie fast ohne Unterlass von einem Höhepunkt zum nächsten hetzt, nimmt sich "Battlefield 3" etwas zurück und wirkt dadurch unterm Strich ein Stück weit realistischer. Einen großen Teil trägt dazu die neue Frosbite Engine 2 bei. Diese zaubert nicht nur unter Mithilfe von EA Sports und deren "Fifa"-Expertise flüssige und sehr menschliche Animationen auf den Bildschirm, sondern beeindruckt vor allem mit spektakulären Licht-Effekten.
Ob zaghaft durch die Wolkendecke brechende Sonnenstrahlen, das grell blendende Taschenlampenlicht des Gegners bei Nacht oder der grünliche Schimmer einer Leuchtfackel über Teheran: Viel der in "Battlefield 3" erzeugten Atmosphäre wird durch das wahrlich großartige Wechselspiel von Licht und Schatten erzeugt. Hinzu kommt, dass sich auch weiterhin viele, aber leider längst nicht alle der dargestellten Objekte zerstören lassen.
Kleinere Schwächen
Negativ aufgefallen in der Kampagne ist außerdem, dass die Level weitgehend linear sind und das eigentliche Kampfgebiet mitunter recht klein ausfällt. Wer sich zu weit hinaus wagt, wird per Countdown dazu ermahnt, schleunigst in die Schlacht zurückzukehren. Die taktischen Möglichkeiten sind also oftmals begrenzter als zunächst angenommen.
Störend, weil weniger realistisch, ist zudem, dass das Geschehen vom eigenen Vorankommen abhängig ist: Rückt der Held nicht vor, bleiben auch die Kameraden stecken, während sich weitere Gegnermassen übers Schlachtfeld ergießen. Eine Schwäche, mit der allerdings auch "Call of Duty" bisweilen zu kämpfen hat. Nicht jedermanns Sache dürften zu guter Letzt die diversen Quick-Time-Events sein, die stellenweise deplatziert wirken und damit der Spannung nicht immer zuträglich sind.
Koop-Modus
Neben der Kampagne haben die Entwickler von DICE dem jüngsten "Battlefield"-Spross auch einen Koop-Modus für zwei Spieler spendiert, in dem diese während speziell zugeschnittener Missionen, die zu absolvieren gut drei Stunden in Anspruch nehmen dürfte, ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen müssen. Angesichts des eher dürftigen Umfangs kann der Koop-Modus aber bestenfalls als "Zuckerl" betrachtet werden.
Auf in die Online-Schlacht
Die Königsdisziplin ist und bleibt eben der Multiplayer-Part, bei dem bis zu 64 Spieler auf dem PC bzw. 24 auf der PS3 und Xbox 360 in die Schlacht ziehen können. Vorausgesetzt, die Server spielen auch mit. Schenkt man den zahlreichen Postings entnervter Nutzer nämlich Glauben, hat zumindest die PC-Version, die wie bei den anderen Plattformen auch über EAs "Origin"-Dienst läuft, noch mit massiven Startschwierigkeiten zu kämpfen. Auf der PS3 funktionierte der Multiplayer-Part im Test hingegen problemlos.
An seinem bewährten Vier-Klassen-System hält DICE fest, justiert nur hier und da etwas nach und legt dabei einmal mehr den Fokus auf Teamplay. Auch bei den Modi gibt es kaum Überraschungen: Zu den bereits bekannten Spielmodi Eroberung, Rush und Squad-Deathmatch gesellt sich lediglich ein Team-Deathmatch-Modus.
Fans wird das allerdings nicht weiter stören, denn was in der Kampagne zuvor noch kritisiert wurde, trifft auf den Multiplayer nicht mehr zu: Die insgesamt neun Karten sind riesig, abwechslungsreich und stecken voller Überraschungen; Waffen und Fahrzeuge aller erdenklichen Art zu Lande, zu Wasser und in der Luft gibt es zudem reichlich. Selbstverständlich lassen sich diese ebenso wie die eigene Klasse durch intensive Nutzung nach und nach verbessern, wodurch der Spielspaß über Monate hinweg garantiert sein sollte.
Fazit: Der Kampf um die Shooter-Vorherrschaft ist voll entbrannt. Wer den Sieg davon trägt, wird sich erst mit dem Erscheinen von "Modern Warfare 3" in wenigen Tagen zeigen. Mit "Battlefield 3" legt EA die Messlatte allerdings schon sehr hoch, vor allem im technischen Bereich (Stichwort "Licht-Effekte). In Sachen Dramaturgie gibt sich der EA-Shooter zwar nicht ganz so Hollywood-like wie der Rivale, bietet aber dennoch reichlich Action: Krachen tut es auch hier an fast jeder Ecke, vor allem jedoch online, wo der Titel mit seinem umfangreichen Waffen- und Fahrzeug-Arsenal sowie den riesigen und detaillierten Karten sein wahres Potenzial entfaltet.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: EA
krone.at-Wertung: 9/10
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