Webers „Pieces of a Woman“ als fulminantes Gastspiel aus Warschau
Zweieinhalb Stunden lang gebannt einer übertitelten polnischsprachigen Aufführung zu folgen, die einen hervorragenden Ruf einlösen kann: So stellt man sich Festwochen vor. „Pieces of a Woman“, ein Gastspiel des TR Warszawa im Akademietheater, ist ein Treffer. Mit der Netflix-Verfilmung des Stücks von Kata Weber hat sich der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó 2020 die Tür zur US-Karriere geöffnet. Das Verhängnis einer letal endenden Hausgeburt und der folgenden Verheerungen in den Seelen ist ein packender Stoff und die Umsetzung ein Beispiel perfekter Balance zwischen sarkastisch schwebendem Konversationston, schwarzer Tragödie und dem finalen Appell zur Zuversicht.
In Wien wird nun die Theater-Urfassung gezeigt, und die ist noch um einen Dreh brisanter: Das Stück spielt in der rechtskatholischen Atmosphäre der aktuellen polnischen Verhältnisse. Die viertelstundenlange Video-Umsetzung des katastrophalen Geburtsvorgangs reicht an die Grenzen des Ertragbaren, ehe Mundruczó auf fast leerer Bühne den Ton eines Well-made play anschlägt. Der Mann, der etwa „Liliom“ dekonstruiert hat, scheint schon die Theaterinszenierung mit dem Blick auf den US-Markt konservativ gehalten zu haben. Das nützt den großartigen Schauspielern - selbstentäußernd: Justyna Wasilewska - und wird als künftiges Schaffensprinzip empfohlen.
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