Wegen Kritik an Rom

Berlusconi und Merkel: Posse um Entschuldigung

Ausland
27.10.2011 09:22
Nach der Einigung zwischen Italien und der EU auf die Verpflichtung zu weiteren Sparmaßnahmen des finanziell angeschlagenen Landes dürfte zwischen dem "Stiefel" und Deutschland der Haussegen an anderer Front schief hängen. Der Grund: Italiens Premier Silvio Berlusconi behauptet, Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel hätte sich bei ihm für an Italien geleistete Kritik entschuldigt. Nur: Die weiß davon offenbar nichts...

Zur Vorgeschichte: Berlusconi war von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Merkel im Rahmen des Gipfel-Marathons zur Lösung der europäischen Schuldenkrise zu einem Sechs-Augen-Gespräch zitiert worden. In dem Gespräch wurde von Berlusconi nachdrücklich gefordert, dass Italien weitere Reformanstrengungen unternehmen müsse, um den hohen Schuldenstand des Landes abzubauen.

Wutentbrannt beklagte sich Berlusconi daraufhin öffentlich: "Niemand innerhalb der EU kann den Partnern Lektionen erteilen!" Der Premier verbat sich jegliche Belehrung durch seine europäischen Amtskollegen.

Über Italien lustig gemacht?
Das Fass zum Überlaufen brachte für Berlusconi dann offenbar, dass sich Sarkozy und Merkel sich bei einer Pressekonferenz über Italien lustig gemacht hätten - so zumindest der Eindruck des Premiers. Sarkozy habe auf eine Frage nach der Lage Italiens mit einem schelmischen Lächeln geantwortet und einen vielsagenden Blick mit Merkel ausgetauscht. Auch Außenminister Franco Frattini kritisierte den französischen Präsidenten und die deutsche Kanzlerin: "Es ist unangebracht, unser Land lächerlich zu machen."

Merkel weiß von Entschuldigung offenbar nichts
Nun behauptete Berlusconi, Merkel habe sich bei ihm für die Kritik an Italien entschuldigt. "Frau Merkel kam zu mir, um mir ihre Entschuldigung anzubieten und ausdrücklich zu sagen, dass sie keine Absicht habe, unser Land zu beleidigen", sagte Berlusconi in einer italienischen TV-Sendung, zu der er sich am Mittwochabend während einer Pause beim EU- und Euro-Gipfel in Brüssel telefonisch zuschalten ließ.

Nur: Die deutsche Bundesregierung weiß davon offenbar nichts, das Dementi folgte auf dem Fuß. "Die Bundeskanzlerin hat gar keinen Grund, sich zu entschuldigen", erfuhr Reuters aus deutschen Regierungskreisen. "Wenn sie Berlusconi trifft, dann sind das Gespräche unter Freunden."

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