Tausend gegen einen

Israel und Hamas endlich einig über Gefangenentausch

Ausland
11.10.2011 21:58
Nach mehr als fünf Jahren Verhandlungen haben Israel und die radikal-islamische Hamas in einen umfassenden Gefangenenaustausch eingewilligt. Der im Juni 2006 im Gazastreifen entführte israelische Soldat Gilad Shalit (Bild) soll "in den kommenden Tagen lebend und heil zu seiner Familie und seinem Volk zurückkommen", so Israels Premier Benjamin Netanyahu am Dienstagabend. Im Gegenzug sollen 1.000 palästinensische Häftlinge freikommen. Ägypten trat in den Verhandlungen als Vermittler auf.

Das Kabinett von Israels Netanyahu trat zu einer Sondersitzung zusammen, um den Handel abzusegnen. "Es ist das beste Abkommen, das wir in diesen stürmischen Zeiten im Nahen Osten erzielen konnten", sagte Netanyahu. Auch der militärische Hamas-Arm bestätigte den geplanten Tausch.

Nach Angaben des israelischen Fernsehens soll der Gefangenenaustausch in mehreren Schritten erfolgen. Zunächst sollten 300 Palästinenser freikommen, die an tödlichen Anschlägen beteiligt waren. Danach solle Shalit an Ägypten übergeben werden. Israel werde daraufhin weitere 150 Palästinenser freilassen, die wegen Mordes verurteilt wurden. Anschließend solle Shalit nach Israel gebracht werden. In einem letzten Schritt werde Israel 550 weitere Häftlinge freilassen, überwiegend Frauen und Kinder.

"Besonderer Dank an Ägypten und Deutschland"
Die Einzelheiten seien zuletzt in Kairo unter ägyptischer Vermittlung vereinbart worden, erklärte Netanyahu weiter. "Ich übermittle meinen besonderen Dank an die ägyptische Regierung und ihren Geheimdienst, die sehr geholfen haben." Er dankte ausdrücklich auch dem deutschen Unterhändler sowie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Unterstützung. Deutschland hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zwischen beiden Seiten vermittelt. Es gab auch immer wieder Berichte über eine kurz bevorstehende Einigung über einen Gefangenenaustausch.

Israelische Medien berichteten, Netanyahu habe sich Dienstagmittag mit Noam Shalit, dem Vater des entführten Soldaten, getroffen. Bei dem sehr emotionalen Gespräch habe er Shalit über den geplanten Tauschhandel informiert.

Noam Shalit und seine Frau zeigten sich im Anschluss sehr erfreut über die geplante Rückholaktion ihres Sohnes. "Es ist ein symbolischer Tag - Traurigkeit gemischt mit Freude. Die Regierung war erfolgreich damit, unseren Sohn heimzubringen. Danke und Gratulation an den Premierminister für seine mutige Entscheidung", so der Vater des Soldaten. "Bis wir unseren Sohn sehen können, sind wir allerdings noch zurückhaltend", stimmte die Mutter Gilads mit ein.

2006 in den Gazastreifen verschleppt
Gilad Shalit war am 25. Juni 2006 von militanten Palästinensern in den Gazastreifen verschleppt worden. Während seiner Gefangenschaft durfte er nur drei Briefe, eine Audio- und eine Videobotschaft an seine Familie übermitteln. Seit Anfang Oktober 2009 fehlt jedes Lebenszeichen.

Der Aufenthaltsort Shalits ist unbekannt. Die Hamas verweigerte selbst Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz den Zugang. Sie befürchtete, dass Israel mithilfe der IKRK-Mitarbeiter den Aufenthaltsort Shalits ermitteln und ihn dann befreien könnte.

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