Sarkozy-Gegner
F: Sozialisten-Stichwahl zwischen Hollande und Aubry
Bei der Abstimmung sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl durften erstmals nicht nur Parteimitglieder, sondern alle Wähler abstimmen, wer im April 2012 den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy herausfordern wird. Die Sozialisten erklärten, dass mehr als 2,5 Millionen Franzosen ihre Stimme für einen der sechs Kandidaten abgegeben haben.
Hollande nach Strauss-Kahn-Aus Favorit
Als großer Favorit im Rennen um die sozialistische Kandidatur gilt Hollande. Er kann nach Umfragen auch in der zweiten Wahlrunde mit einem Sieg gegen Aubry rechnen. Die Tochter des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors hatte sich erst im Frühsommer zur Teilnahme entschlossen. Zuvor war der lange in den Umfragen führende frühere Weltwährungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen des Vorwurfs sexueller Angriffe als Bewerber ausgeschieden.
"Bereit für das große Rendezvous 2012"
Sozialistische Spitzenpolitiker zeigten sich am Sonntag begeistert über die Resonanz auf die Wahlen. "Wir haben es geschafft, allen Hindernissen zu trotzen", sagte Interims-Parteisekretär Harlem Désir. Die kühnsten Erwartungen seien übertroffen worden, die Sozialistische Partei sei nun "bereit für das große Rendezvous 2012". Zuvor war die Internetseite zu den Vorwahlen wegen des großen Ansturms von Nutzern vorübergehend nicht erreichbar gewesen.
Der für eine "Entglobalisierung" kämpfende Arnaud Montebourg kam nach vorläufigen Zahlen mit rund 17 Prozent der Stimmen auf Platz drei bei den Wahlen. Dahinter folgten Ségolène Royal (sieben Prozent), Manuel Valls (sechs Prozent) und Jean-Michel Baylet (0,6 Prozent).
Absturz des Ex-Publikumslieblings Royal
Vor vier Jahren hatte Royal noch für die große Überraschung gesorgt, indem sie es in die Stichwahl gegen Sarkozy schaffte, am Sonntagabend war sie nun die große Verliererin. Am 6. Mai 2007 hatte die nunmehr 58-Jährige ihren Anhängern nach Bekanntwerden ihrer Niederlage gegen Sarkozy "neue Siege" versprochen. Nunmehr steht fest, dass diese nicht in diesem und nicht im nächsten Jahr erfolgen werden. In einer ersten Stellungnahme bezeichnete Royal ihr Ergebnis der Vorwahl nach dem ersten Durchgang als "sehr enttäuschend", versprach ihren Anhängern allerdings, sich weiter für die Werte der Linken einzusetzen, damit diese im nächsten Jahr die Präsidentenwahl gewinnen könne.
Berichte über mögliche Wahlmanipulationen gab es zunächst nicht. Parteiinterne Kritiker hatten die Befürchtung geäußert, dass Sympathisanten Sarkozys oder andere nicht linksgerichtete Franzosen an der Abstimmung teilnehmen könnten, um einen "schwachen Kandidaten" zu wählen. Um dies zu verhindern, hatte die Parti Socialiste nur zwei Hürden vorgesehen: Jeder Wahlteilnehmer musste unterschreiben, dass er sich zu den Werten der Linken bekennt - und mindestens einen Euro spenden.
Sarkozy mit katastrophalen Umfragewerten
Auf das konservativ-rechte Regierungslager übt der Erfolg der Vorwahlen Druck aus, selbst ein ähnliches Verfahren zu organisieren - zumal nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage nur noch 24 Prozent der Franzosen dem amtierenden Präsidenten vertrauen. Sämtliche Spitzenpolitiker haben allerdings bislang betont, dass man erst bei den übernächsten Wahlen 2017 darüber nachdenken werde. Für 2012 sei Sarkozy der "natürliche Kandidat", heißt es.
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