Während die Fans der beiden Lager bislang immer endlose Diskussionen über die Qualitäten der jeweiligen Simulation führten, gab es auf Seiten der PES-Fans zuletzt betroffene Gesichter: Das neue Pass-System der Vorjahresausgabe war derart misslungen (siehe Infobox), dass Fifa einen klaren Punktesieg verzeichnete. Die Entwickler haben diese Schmach allerdings nicht auf sich sitzen lassen, wie die ersten Minuten mit dem aktuellen "Pro Evolution Soccer 2012" zeigen. Die Kugel rollt nun wieder wie eh und je durch die Reihen.
Ein gepflegtes Kurzpass-Spiel in Vollendung gelingt natürlich am einfachsten mit der derzeit besten Klubmannschaft der Welt, dem FC Barcelona. Die virtuellen Iniestas, Xavis, Fabregas' oder Messis zaubern die schönsten Ballstafetten auf den Rasen. Das liegt neben dem nun gelungen Pass-System auch an den KI-gesteuerten Mitspielern, die sehr realitätsnah in freie Räume sprinten oder kreuzen. Die Verteidiger sind dem nicht hilflos ausgeliefert und agieren ihrerseits ziemlich geschickt. Übrigens: All jene, denen das Pass-System des letzen Jahres doch zugesagt hat, dürfen die Passhilfen auch abschalten und es weiterhin verwenden.
Neben einem schönen und ansehnlichen Spiel darf auf das Wichtigste natürlich nicht vergessen werden: das Tore schießen! Leider steht da noch der Torhüter im Weg, der seine Sache sehr ordentlich macht - zumindest solange es darum geht, Schüsse aus kurzer Distanz zu entschärfen. Bei Weitschüssen zeigt er jedoch - ganz in englischer Torhütertradition - ab und an die eine oder andere Schwäche.
Mehr spielerische Freiheit für Profis und ein deutliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Konkurrenten bringt schließlich auch die sogenannte Off-the-ball-Steuerung mit sich. Dabei kann bei Standardsituationen jeder beliebige Spieler, abseits vom Ausführenden, übernommen werden. Diese Neuerung erlaubt es, völlig neue Spielsituationen zu kreieren und bedeutet einen wesentlichen Zuwachs an Variabilität.
Wem das noch nicht genug ist, der kann mit der ebenfalls neuen Teammate-Funktion auch im normalen Spielfluss in die Laufwege der Mitspieler eingreifen. Ein ähnliches Feature war schon einmal in "Fifa" integriert. Das Problem ist auch hier das gleiche: Aufgrund der damit verbundenen Steuerkomplexität ist einiges an Übung für den erfolgreichen Einsatz erforderlich. Anfänger und Gelegenheitsspieler brauchen sich aber keine Sorgen zu machen: Eine Voraussetzung für den Sieg ist diese Funktion nicht, Profis freuen sich jedoch über die erweiterten Steuerungsmöglichkeiten.
Bei den Animationen der Spieler wurde indes heuer viel Wert auf Details gelegt. Bei Schüssen drehen sich etwa die Spieler und verfolgen den Flug des Balles. Die grafische Qualität der Spieler ist hingegen ausbaufähig. Iniesta, der geniale Mittfeldspieler von Barca, ist zwar auch im realen Leben etwas bleicher als seine Teamkameraden, im Spiel aber wirkt er so, als würde er eine Rolle im neuesten Zombie-Streifen von George A. Romero übernehmen.
Der Schiedsrichter kennt hingegen dankenswerterweise nun auch die Vorteilsregel, was sich wohltuend auf den Spielfluss auswirkt. Er scheut aber auch nicht den Griff zur roten Karte, wenn zu sehr über die Stränge beziehungsweise auf die Beine des Gegners geschlagen wurde.
Für einige sicherlich nach wie ein Manko ist die recht dünne Lizenzausstattung. Es macht eben doch etwas weniger Spaß, mit der Fantasie entsprungenen Klubs und Spielern anzutreten - auch wenn die Spielbarkeit noch so gut sein sollte.
Fazit: Nach einer verpatzen letzten Auflage glänzt "PES 2012" wieder mit seinen alten neuen Stärken. Neue spielerische Features wie die Off-the-ball-Kontrolle sowie die Teammate-Steuerung sorgen selbst bei alt gedienten PES-Veteranen für frischen Schwung. Geblieben sind die kleinen Schwächen im grafischen Bereich sowie die recht magere Auswahl an Lizenzen. PES-Fans dürfen also aufatmen und wieder mit den Fifa-Anhängern darüber debattieren, welches denn nun die beste Fußballsimulation ist.
Plattform: PS3(getestet), Xbox360, PC, Wii, PS2, PSP
Publisher: Konami
krone.at- Wertung: 9/10
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