Fr, 17. August 2018

Berufungsprozess

29.09.2011 14:31

Letztes Plädoyer für den "Engel mit den Eisaugen"

Im Berufungsprozess um die 2009 in Italien wegen Mordes verurteilte Amerikanerin Amanda Knox haben die Verteidiger in ihrem letzten Plädoyer erneut die Schuldlosigkeit der 24-Jährigen beteuert. Die US-Bürgerin, oft als "Engel mit den Eisaugen" bezeichnet, sei von der Presse "öffentlich gekreuzigt" worden, erklärten ihre Anwälte am Donnerstag vor dem Gericht in Perugia. Das Urteil fällt laut italienischen Medien am Montag.

Die Verteidiger betonten erneut, die Haupt-DNA-Beweise der Anklage seien nichtig, weil bei der Spurensicherung wissenschaftliche Verfahren nicht angewendet worden seien. Das bestätige ein unabhängiges Gutachten. Somit befände sich Knox bereits seit mehr als 1.000 Tagen zu Unrecht hinter Gittern.

Die italienischen Staatsanwälte hingegen weisen diese These zurück. Sie fordern für Knox und ihren Ex-Freund, den in erster Instanz als Mittäter zu 25 Jahren Haft verurteilten Raffaele Sollecito, eine lebenslange Haftstrafe. Knox war im Dezember 2009 zu 26 Jahren Haft verurteilt worden.

Knox glaubt an Freispruch
Knox sei laut ihrem Anwalt Luciano Ghirga zuversichtlich, dass ihr Berufungsverfahren mit einem Freispruch enden und sie möglicherweise schon zu Thanksgiving im November wieder zu Hause in Seattle sein werde. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich die Wahrheit ans Licht bringen werde und das Gefängnis verlassen kann", sagte sie laut Ghirga. Erneut versicherte sie, Kercher nicht umgebracht zu haben: "Nur wenige verstehen, dass Meredith meine Freundin war, ich sie wirklich gern hatte und ihr niemals etwas hätte antun können."

Blutiger Mord an Knox' Mitbewohnerin
Das sah das Gericht allerdings anders. Kercher, Knox' Mitbewohnerin, war im November 2007 tot in der gemeinsamen Wohnung gefunden worden: mit durchschnittener Kehle, von Messerstichen übersät und vergewaltigt. Knox und Sollecito haben Kercher ermordet, weil sie sich geweigert hatte, bei einer bizarren Sex-Orgie mitzumachen, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft.

Auf der Klinge eines Messers Sollecitos waren damals laut Gutachten DNA-Spuren von Kercher sichergestellt worden, auf dem Griff Spuren von Knox. An dem BH des Opfers fanden sich Spuren Sollecitos, im Bad wurde sein Fußabdruck mit dem Blut des Opfers sichergestellt. In dem Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten jedoch ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests. Den Antrag der Staatsanwaltschaft auf weitere DNA-Gutachten wies das Gericht aber zurück.

Einbruch simuliert?
Allerdings gab es Spuren eines Einbruchs, der keinen Sinn ergab, weil das Fenster erst im Nachhinein – und zwar von innen – eingeschlagen worden war, als wäre versucht worden, eine falsche Spur zu simulieren.

Neben Knox und Sollecito wurde der Drogendealer Rudy Guede in einem getrennten Schnellverfahren wegen Mittäterschaft nach einem Teilgeständnis zu 16 Jahren Haft verurteilt. Er hatte gestanden, vor dem Mord mit Kercher geschlafen zu haben.

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