Di, 21. August 2018

Gefährliche Arzneien

22.09.2011 09:50

Experte warnt: Anzahl gefälschter Pillen steigt extrem

Die Pharmazeuten schlagen bei einer Tagung in Innsbruck Alarm: Durch Internet und Fernreisen werden in Österreich gefälschte Medikamente zur Gefahr. Das Überwachungslabor stößt auf 1.000 Proben pro Jahr, der Zoll stoppt Zigtausende Packungen – die gefährlichen Tabletten und Pulver wurden zum Top-Schmuggelgut. Tirols Apothekerkammer-Chef: "Wir bieten Sicherheit!"

"Die Anzahl der am Schwarzmarkt gekauften Medikamente steigt explosionsartig an", warnte Andreas Mayrhofer von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit bei der Tagung der deutschsprachigen Pharmazeuten in Innsbruck. Mayrhofer leitet auch das Überwachungslabor. "Heuer knacken wir erstmals die 1.000er-Marke bei überprüften Fälschungen", sagte er. Auch beim Zoll ist seit 2009 klar: Falsche Medikamente sind das beliebteste Schmuggelgut. Mehr als 27.000 Packungen werden seither jährlich beschlagnahmt.

Gefährliche Pillen im Briefkasten
Die Gründe dafür: Internetbestellungen und Fernreisen. In anderen Ländern kauft man gerne, weil die vermeintlich gleiche Ware dort billiger ist. Im Internet kauft man ohne Scham und ärztliche Hürden. Problemlos landen so gefährliche Schlankheitspillen, Muskelhormone und Potenzmittel in den Briefkästen. Was viele nicht bedenken: Wer als Österreicher im Internet rezeptpflichtige Arzneien bestellt, macht sich strafbar. Die milden Geldstrafen schrecken aber offenbar niemanden ab.

Nicht rezeptpflichtige Medikamente, die in Österreich zugelassen sind, dürfen dem Bedarf entsprechend (laut Gesetz bis zu drei Packungen pro Medikamt) hingegen sehr wohl bei Apotheken in den meisten europäischen Staaten (alle EWR-Staaten, Anm.) bestellt werden. Darunter fallen etwa häufig gebrauchte Mittel, wie Aspirin, Bepanthen oder Neo-Angin.

"Noch nie eine Fälschung in unseren Apotheken!"
Martin Hochstöger, Chef der Tiroler Apothekerkammer, weiß: "Es ist noch nie ein gefälschtes Medikament in unseren Apotheken entdeckt worden." Er rät daher jedem, in Apotheken zu kaufen. Denn: "Alles kann gefälscht werden. Und nicht einmal Experten erkennen Medikamenten-Fälschungen auf den ersten Blick."

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