Schönreden: Ja, da gibt es einigen Erklärungsbedarf - und man spürt, dass es Johanna Mikl-Leitner nicht leicht fällt, die am Freitag verkündete ÖVP-FPÖ-Koalition schönzureden. Im „Krone“-Interview versucht sie es. Reitet so wie bei der Koalitionsverkündung tags zuvor eine heftige Attacke auf die SPÖ, die in den Koalitionsverhandlungen viel zu viel gefordert habe. Und findet, man möge wegen der Liaison mit den Blauen „doch bitte die Kirche im Dorf lassen“. Ob diese Mikl-Kickl-Koalition in Niederösterreich ein Probelauf für den Bund sei, möchte Interviewerin Ida Metzger wissen. „Mit Herbert Kickl habe ich kein Wort gesprochen“, versichert die alte und von blauen Gnaden auch neue Landeshauptfrau. Was auf bundespolitischer Ebene in zwei Jahren passiere, das könne heute niemand sagen, verlautet Mikl-Leitner. Tja, da wären wir an einem entscheidenden Punkt: Erstens glauben das gerade doch sehr viele sagen zu können. Zweitens hat Mikl-Leitner in der Bundes-ÖVP das große Sagen. Oder hatte es zumindest bis zum Verlust der absoluten Mehrheit in ihrem Bundesland Ende Jänner.
Kleinreden: Es wirkt stets verdächtig, wenn die Politik etwas beschwörend von sich gibt. Wenn vom „Gräben zuschütten!“ die Rede ist, dann sollte man auch einen Blick in diese Gräben werfen, sehen und riechen, wer sie gegraben hat, welch üble Dämpfe womöglich aus ihnen aufsteigen. Dann wird man manchmal zur Erkenntnis kommen, dass einige Gräben unüberbrückbar bleiben. Umso wichtiger wäre es, keine neuen Schluchten zu graben. Denn während man sich bei Schwurblern entschuldigt, in Niederösterreich nun sogar „freikauft“, gibt man sich gegenüber jenen Menschen, die sich Sorgen um ihre Zukunft und jener ihrer Kinder machen, zunehmend unversöhnlich. Mit Blick und Ohr bloß auf billigen Applaus jener gerichtet, die den Klimawandel leugnen oder nicht als Bedrohung der Menschheit, sondern ihrer lieb gewonnenen Gewohnheiten sehen. „Hören Sie auf die Wissenschaft“, appelliert die von der „Krone“ unterstützte Initiative „Neustart“ an Bundeskanzler Nehammer, der in seiner „großen Rede“ den Klimawandel erschreckend kleingeredet hatte. Er möge sich auf heimische Experten verlassen, statt auf amerikanische Atom-Lobbyisten zu hören. Ja, rückwärtsgewandt auf Wissenschafter, weitsichtige Wirtschaftslenker und Klimabesorgte loszugehen - das hat keine Zukunft!
Kommen Sie gut durch den Sonntag!
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