Mi, 12. Dezember 2018

Eingebildete Liebe

07.09.2011 16:36

Jugendliche Ménage à trois in Dolans "Herzensbrecher"

Molières Hypochonder-Drama "Der eingebildete Kranke" heißt im Französischen "Le Malade Imaginaire". Jetzt kommt der franko-kanadische Film "Les Amours Imaginaires" ins Kino, was also in etwa "Die eingebildeten Liebschaften" bedeutet. Auf Deutsch haben die Verleiher den Titel "Herzensbrecher" für das Werk des jungen Regisseurs Xavier Dolan (22) gewählt.

Doch eigentlich geht es nur in zweiter Linie um den Mann, der zwei Menschen das Herz bricht. Im Zentrum stehen zwei selbstverliebte, gefallsüchtige Mittzwanziger. Die beiden beobachten sich und ihre Gefühle - ähnlich einem Hypochonder - fortwährend selbst. Sie benutzen einen jungen Mann als Projektionsfläche ihres hetero- und homosexuellen Begehrens.

Auf der Party einer coolen Clique in Montréal entdecken die Freunde Marie und Francis den blonden Nicolas, der an Michelangelos David erinnert. Der Wuschelkopf mit der Zigarette im Mundwinkel wird zum Lustobjekt der beiden Narzissten. Mit großer Nonchalance lässt sich Nicolas (Niels Schneider) sowohl von der Audrey-Hepburn-haften Marie (Monia Chokri) als auch dem James-Dean-haften Francis (Xavier Dolan) begehren, als wäre er sich seiner Wirkung nicht bewusst. Auf recht keusche Weise treibt er beide in Richtung Wahnsinn.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film:
Xavier Dolan, der hier in Personalunion als Regisseur, Autor, Darsteller und Produzent fungiert, versteigt sich in die Gefühlswelt seiner jugendlichen Herzensbrecher und emotionalen Abenteurer, zeigt, wie sie mit ihren Sehnsüchten experimentieren und an ihren Erwartungen scheitern.

Ein ästhetischer, bisweilen doch sehr artifiziell anmutender Liebesreigen rund um die Unvernunft einer Ménage à trois, die ein bisschen an "Jules et Jim" gemahnt, untermalt von stimmigen Chansons. Eine Gratwanderung zwischen frischer Frivolität, ganz im Geiste der Nouvelle Vague und einer sanften Melancholie, wie sie Wong Kar-Wai auf die Leinwand pinselt. Kurz, ein sinnliches Kaleidoskop projizierter Begierden.

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