Do, 16. August 2018

Notbremse gezogen

06.09.2011 17:43

Schweizer Nationalbank stoppt Franken-Höhenflug

Die Schweiz stöhnt unter dem hohen Frankenkurs, Exporte und Wirtschaft leiden besonders. Der Schweizer Nationalbank SNB ist nun der Geduldsfaden gerissen, sie setzt im Kampf gegen die im Vergleich zum Euro rekordstarke heimische Währung die "ultimative Waffe" ein: Sie legt einen Mindestwechselkurs zum Euro fest. Künftig soll man für einen Euro mindestens 1,20 Franken bekommen.

"Die gegenwärtige massive Überbewertung des Schweizer Frankens stellt eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar und birgt das Risiko einer deflationären Entwicklung", heißt es in einer SNB-Mitteilung am Dienstag. Die SNB will einen Wechselkurs von unter 1,20 Franken je Euro künftig nicht mehr tolerieren. Damit legt sie faktisch einen Höchstkurs für den Franken von 0,833 Euro fest.

Um den Märkten nun die Stirn zu bieten, ist die Nationalbank auch bereit, die zeitweise sehr umstrittenen Eurokäufe wieder aufzunehmen. Sie wolle wenn nötig uneingeschränkt Devisen kaufen, teilte die Notenbank mit. Zuletzt hatte die SNB im Frühling 2010 versucht, so die Frankenaufwertung zu bremsen.

Praktisch bedeuten die nun angekündigten Maßnahmen: Die Zentralbank würde immer, wenn der Wechselkurs die Zielmarke überschreitet, Euro kaufen - und dafür Franken auf den Markt werfen. "Der Franken ist auch bei 1,20 pro Euro hoch bewertet und sollte sich über die Zeit weiter abschwächen", lautet die optimistische Prognose. Ausdrücklich behält sich die Notenbank weitere Maßnahmen vor, ohne dabei allerdings ins Detail zu gehen.

Franken stieg seit 2007 zum Euro um bis zu 60 Prozent
Der starke Franken belastet die Schweizer Exportwirtschaft enorm, weil er deren Waren auf Auslandsmärkten deutlich verteuert. Auch die Einzelhändler im Schweizer Grenzgebiet bekommen die Folgen zu spüren: Die gewaltig gestiegene Kaufkraft des Franken hat einen kräftigen Einkaufstourismus ausgelöst, von dem Händler in grenznahen Orten kräftig profitieren. Auch in Vorarlberg.

Ausgehend von einem Kurs von 0,60 Euro Ende 2007 hat der Franken zu vielen wichtigen Währungen stark zugelegt. Seither stieg die Schweizer Währung zum Euro um bis zu 60 Prozent auf fast einen Euro. Nachdem die SNB mehrmals daran gescheitert war, wesentlich geringere Höchstkurse als 0,833 Euro je Franken zu verteidigen, hatte sie ihre Maßnahmen unlängst intensiviert. Was die Investoren aber nicht hinderte, die Schweizer Währung wegen der Schuldenkrise weiter als "sicheren Hafen" anzulaufen.

Schweizer Politik begrüßt historischen Schritt
Devisenkäufe, wie nun von der SNB angekündigt, können zwar verhindern, dass der Eurokurs erneut absinkt, aber sie bergen wegen der wachsenden Franken-Geldmenge auch ein Inflationsrisiko. Das Einverständnis der Politik haben die SNB und ihr Präsident Philipp Hildebrand dennoch: Der Bundesrat, alle großen Parteien, wichtige Wirtschaftsverbände und die Gewerkschaften begrüßen den bereits als historisch taxierten Schritt.

Auf die Hilfe der Europäische Zentralbank dürfte die SNB hingegen bei ihren Maßnahmen nicht zurückgreifen können. Man nehme die Entscheidung der SNB "zur Kenntnis", teilte die EZB am Dienstag trocken mit. Die Intervention liege allein im Verantwortungsbereich der Schweizer Notenbank.

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