Mo, 20. August 2018

Opfer von Raubmord?

06.09.2011 14:38

Afghanistan: Zwei vermisste Deutsche tot geborgen

Die Leichen zweier offenbar ermordeter Entwicklungshelfer sind im Gebirge in Afghanistan geborgen worden. Die beiden Deutschen waren vor mehr als zwei Wochen bei einer Wanderung im Hindukusch-Gebirge nördlich von Kabul spurlos verschwunden. Provinzgouverneur Abdul Bashir Salangi geht von einem Raubmord aus: "Ihre Ausrüstung wie Kameras, Ferngläser und Geld könnten zu ihrem Tod geführt haben." Für den zivilen Wiederaufbau des Landes stellt der tragische Vorfall einen weiteren schweren Rückschlag dar.

Die abgelegene Gegend (Bild), in der die beiden Leichen entdeckt wurden, könnte darauf hindeuten, dass die beiden Männer, die zu einem Tagesausflug aufgebrochen waren, zunächst verschleppt wurden. Allerdings hatten sich bisher weder die Taliban noch kriminelle Banden zu einer Entführung bekannt - ungewöhnlich für Afghanistan, wo Geiselnahmen von Ausländern in der Vergangenheit schnell bekannt werden. Aus deutschen Sicherheitskreisen hieß es ebenfalls, bis zuletzt habe es keine Hinweise auf eine Entführung der Männer gegeben.

Leichen kommen zur Identifizierung in ISAF-Lager
Der Provinzgouverneur war am Montag von einem Mord ausgegangen und hatte örtliche Nomaden vom Stamm der Kuchi verdächtigt. Er hatte zudem mitgeteilt, dass die beiden Deutschen nach ersten Erkenntnissen erschossen worden seien. Eine Sprecherin der Regierung der Provinz Parwan sagte der Nachrichtenagnetur dpa, die Leichen seien in Säcke gestopft gewesen. Die genaue Todesursache müsse aber erst untersucht werden. Die Toten sollen zur Identifzierung in ein Lager der NATO-Truppe ISAF gebracht werden.

Im deutschen Auswärtigen Amt hieß es am Dienstag, der Krisenstab und die deutsche Botschaft in Kabul arbeiteten gemeinsam mit allen relevanten Stellen unter Hochdruck daran, die beiden Toten zu identifizieren. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei den Opfern um einen 59-jährigen Experten der staatlichen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie einen zehn Jahre älteren Mitarbeiter eines christlichen Hilfswerks.

Gegen Sicherheitsauflagen verstoßen?
Deutlich macht der Fall ein weiteres Mal, wie unberechenbar selbst vermeintlich ruhige Gebiete in Afghanistan sind - denn als solches gilt Parwan. Die bergige Salang-Gegend, in der die Deutschen verschwanden, ist ein beliebtes Ausflugsziel von Afghanen. In der Vergangenheit wurde die Region auch von Ausländern frequentiert, die in Kabul arbeiten. Die beiden Deutschen sollen nach Angaben aus der Region häufiger dort wandern gewesen sein.

Zumindest die GIZ hat aber strikte Sicherheitsbestimmungen, die Wanderausflüge nicht vorsehen. Die Kontrolle, dass Mitarbeiter nicht gegen Sicherheitsauflagen verstoßen, dürfte nach dem jüngsten Vorfall noch weiter verschärft werden. "Gott sei Dank ist das die absolute Ausnahme", sagte ein deutscher Entwicklungsexperte, der ungenannt bleiben wollte. "Die große Masse der internationalen Entwicklungshelfer hält sich an die Regeln. Aber natürlich wird man nun noch stärker überprüfen müssen, dass sich alle daran halten."

Immer weniger internationale Experten
Doch je schlechter die Sicherheitslage in Afghanistan ist - und je schärfer die Auflagen -, desto schwieriger wird es für Organisationen wie die GIZ, dringend benötigte internationale Experten zu rekrutieren. Immer weniger von ihnen sind willens, die persönlichen Einschränkungen hinzunehmen oder andernfalls ihr Leben zu riskieren. Für den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan - der eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Landes spielen soll - sind das schlechte Nachrichten. Denn niemand glaubt mehr daran, dass der Konflikt am Hindukusch militärisch entschieden werden wird.

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