Di, 18. September 2018

Kriegsverbrechen

24.08.2011 16:41

Hadzic plädiert vor UNO-Tribunal auf nicht schuldig

Der einstige Führer der serbischen Minderheit in Kroatien, Goran Hadzic, ist am Mittwoch zur zweiten Anhörung vor dem UNO-Sondertribunal in Den Haag erschienen. Dabei plädierte der 52-Jährige, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, auf nicht schuldig. Zuvor hatte Hadzic auf das Recht verzichtet, die Anklageschrift im Gerichtssaal vorgelesen zu bekommen.

Als letzter von insgesamt 161 Angeklagten des Tribunals war Hadzic am 20. Juli in Serbien verhaftet und zwei Tage später nach Den Haag überstellt worden. Bei seiner ersten Anhörung wollte er sich wenige Tage später noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Er bekam daraufhin vier Wochen Bedenkzeit.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Dem 52-jährigen kroatischen Serben werden in 14 Punkten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzungen des Kriegsrechts angelastet. Die Anklage wirft ihm Gefangennahmen, Folter, Morde an Zivilisten, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen von Kroaten und sonstigen Nichtserben vor.

Er war laut Anklage Mitglied eines gemeinsames verbrecherischen Vorhabens, an dessen Spitze der damalige serbische Präsident Slobodan Milosevic stand. Dieses zielte laut der Anklage darauf hin, Kroaten und andere Nichtserben von ungefähr einem Drittel des Gebietes Kroatiens zu vertreiben, um es zum Bestandteil eines Staates unter serbischer Vorherrschaft zu machen.

Massaker an Kriegsgefangenen befohlen?
Hadzic, der im August 1991 zunächst zum Regierungschef des selbst proklamierten "Serbischen Autonomen Gebietes Slawonien, Baranja und Westsrem" im kroatischen Ostslawonien bestellt wurde, bekleidete zwischen Februar 1992 und Dezember 1993 das Präsidentenamt in der einseitig ausgerufenen serbischen Republik Krajina, die damals ein Drittel des Gebietes von Kroatien umfasste.

Der Angeklagte wird sich unter anderem für das schwerste im Kroatien-Krieg angerichtete Kriegsverbrechen - das Massaker an rund 200 kroatischen Kriegsgefangenen auf dem Landgut Ovcara bei Vukovar im November 1991 - zu verantworten haben. Der Anklage zufolge war er auch an der Ermordung von 22 kroatischen Gefangenen in der Ortschaft Lovas kurz zuvor beteiligt. Sie waren von einer serbischen Milizeinheit in ein Minenfeld getrieben worden, um es zu säubern.

Letzte Vorprozess-Sitzung
Die Anhörung am Mittwoch war die letzte Vorprozess-Sitzung des Tribunals, in der ein Angeklagter aufgefordert wurde, sich der ihm zur Last gelegten Kriegsverbrechen schuldig oder unschuldig zu bekennen. Die erste hatte am 26. April 1995 stattgefunden. Bis zur Eröffnung des eigentlichen Prozesses gegen Hadzic können noch mehrere Monate vergehen.

Der prominenteste Angeklagte des Tribunals war der ehemalige Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic. Auch er musste sich unter anderem wegen des Völkermords in Srebrenica verantworten. Milosevic starb 2006 in der Untersuchungshaft. Das vom UN-Sicherheitsrat etablierte Tribunal soll spätestens 2014 alle Prozesse abgeschlossen haben.

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